Pressemitteilung 10/2012

LMS-Direktor gegen Verkauf der Fußballrechte an Telekom

Saar­brü­cken, 27. März 2012: „Das Ange­bot der Deut­schen Tele­kom zum Kauf der Fuß­ball­rech­te von der Deut­schen Fußball-Liga (DFL) berührt wesent­li­che Grund­fra­gen des Rund­funks in Deutsch­land“, betont in einer Stel­lung­nah­me der Direk­tor der Lan­des­me­di­en­an­stalt des Saar­lan­des (LMS), Dr. Gerd Bauer.

Mit dem Erwerb die­ser Inhal­te wür­de der sei­ner­zeit aus der Deut­schen Post her­vor­ge­gan­ge­ne Infra­struk­tur­be­trei­ber ein wesent­li­cher Anbie­ter von Inhal­ten. Das wider­spricht nach Auf­fas­sung der LMS dem medi­en­po­li­ti­schen Grund­satz der Tren­nung der tech­ni­schen Infra­struk­tur von den ange­bo­te­nen Inhalten.

Die Tren­nung von Netz­be­trieb und Rund­funk­in­hal­ten soll dazu bei­tra­gen, die Mei­nungs­viel­falt zu sichern und zu ver­hin­dern, dass der­je­ni­ge, der wesent­li­che Tei­le der tech­ni­schen Infra­struk­tur betreibt und dadurch auch kon­trol­liert, gleich­zei­tig für die Inhal­te zustän­dig ist, die hier­über trans­por­tiert wer­den. Eine sol­che Zusam­men­bal­lung von tech­ni­scher, öko­no­mi­scher und publi­zis­ti­scher Macht stün­de im Wider­spruch zu einer best­mög­li­chen Siche­rung von Mei­nungs­viel­falt“, stellt LMS-Direktor Dr. Gerd Bau­er fest. Rund­funk­ver­an­stal­ter ohne eige­ne Infra­struk­tur, wären dadurch von Anfang an struk­tu­rell benachteiligt.

Die gut­ach­ter­li­che Fest­stel­lung von Prof. Franz Jür­gen Säcker von der FU Ber­lin, wonach der deut­sche Staat nach wie vor ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Deut­sche Tele­kom besit­ze, weist zudem dar­auf hin, dass hier eine Gefahr für die im Rund­funk­recht beson­ders gefor­der­te Staats­fer­ne der Anbie­ter vor­lä­ge“, äußert Bau­er mit Blick auf die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Aus gutem Grund kön­ne die Deut­sche Tele­kom also kei­ne Zulas­sung als Rund­funk­an­bie­ter erwer­ben. Und die bis­he­ri­ge Lösung, wonach Con­stan­tin Medi­en die medi­en­recht­li­che Lizen­sie­rung für die Tele­kom hal­te, sei ange­sichts des Kom­plett­pa­ke­tes an Über­tra­gungs­rech­ten, die die Tele­kom von der DFL erwer­ben wol­le, nicht ein­fach über­trag­bar und müs­se im Lich­te der Abhän­gig­kei­ten von der Tele­kom neu geprüft wer­den. Auch der­ar­ti­ge Umge­hungs­ge­schäf­te durch Pro­duk­ti­ons­auf­trä­ge an Drit­te, die finan­zi­ell fak­tisch aus­schließ­lich von der Tele­kom abhän­gen, sind aus Sicht der LMS unzulässig.

Ähn­lich hat­te sich auch der Telekommunikations- und Medi­en­rechts­ex­per­te Prof. Bernd Holz­na­gel aus Müns­ter geäu­ßert, der von der Medi­en­auf­sicht eine neue Bewer­tung der Beherr­schung der Con­stan­tin Medi­en durch die Tele­kom für den Fall erwar­tet, dass neben den bis­he­ri­gen Internet-Übertragungsrechten die Tele­kom nun auch die Satel­li­ten­rech­te erwer­ben würde.

Bau­er sieht wie die Pro­fes­so­ren Holz­na­gel und Säcker lang­wie­ri­ge Recht­strei­tig­kei­ten vor­aus, wenn die DFL der Tele­kom auch die Satelliten-Live-Rechte oder gar alle „Broadcast-Rechte“ (Satel­lit, Kabel, Ter­re­strik) ab 2013 ver­kau­fen sollte.

Kon­takt für Presseanfragen:

Vio­la Betz

Pres­se­spre­che­rin / Lei­te­rin des Büros des Direktors

 

28. Februar 2012