Pressemitteilung 28/2013

Eigene Gattung – eigene Regulierung? — Gemeinsame Tagung von deutschen Medienanstalten und österreichischer RTR-GmbH beleuchtet Zukunft des Radios

Berlin/Wien, 13. 11. 2013: Als einen „Ort der Begeg­nung“ beschrieb der Bot­schaf­ter der Repu­blik Öster­reich, Dr. Ralph Schei­de, die Öster­rei­chi­sche Bot­schaft in Ber­lin bei der Ver­an­stal­tung „Eige­ne Gat­tung, eige­ne Regu­lie­rung? – Hör­funk vor der Her­aus­for­de­rung Kon­ver­genz“, zu der die öster­rei­chi­sche Medi­en­auf­sicht der Rund­funk und Tele­kom Regulierungs-GmbH mit ihrem Geschäfts­füh­rer Dr. Alfred Grinschgl und der Hör­funk­be­auf­trag­te der Direk­to­ren­kon­fe­renz der deut­schen Lan­des­me­di­en­an­stal­ten, Dr. Gerd Bau­er, am Mon­tag ein­ge­la­den hat­ten.

Hörfunk-Experten aus Öster­reich, Deutsch­land und der Schweiz tra­fen dort zusam­men, um über die wei­te­re Ent­wick­lung des digi­ta­len Radi­os und über aktu­el­le Regu­lie­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten für den Hör­funk zu bera­ten. Zen­tra­le The­men waren dabei die Fra­ge nach einem Ter­min für die Abschal­tung des ana­lo­gen UKW-Radios sowie nach dem Bedarf für einen eigen­stän­di­gen Hörfunk-Rechtsrahmen auf natio­na­ler und euro­päi­scher Ebe­ne.

Auch mehr als zwei Jah­re nach dem Neu­start des digi­ta­len Hör­funks in Deutsch­land über DAB+ sind noch nicht alle Hör­funk­ver­an­stal­ter von einem Umstieg auf die digi­ta­le Rund­funk­über­tra­gung über­zeugt. Als digi­ta­le Alter­na­ti­ve wird ver­ein­zelt auch die Über­tra­gung via Inter­net genannt, die jedoch bei mas­sen­haf­ter Nut­zung als unwirt­schaft­lich gilt. Eine zeit­na­he Abschal­tung des ana­lo­gen UKW-Hörfunks betrach­tet ein Teil der Ver­an­stal­ter skep­tisch.

Anders als in Deutsch­land und der Schweiz ist in Öster­reich digi­ta­ler Hör­funk noch nicht ver­füg­bar. Aller­dings befin­det sich ein Test­be­trieb im Raum Wien in Pla­nung und könn­te im ers­ten Quar­tal 2014 star­ten. Vor­aus­set­zung für einen Regel­be­trieb von digi­ta­lem Hör­funk in Öster­reich ist nach Ansicht von Dr. Alfred Grinschgl, Geschäfts­füh­rer des Fach­be­reichs Medi­en der RTR-GmbH, ein akkor­dier­tes Vor­ge­hen der Markt­teil­neh­mer: „Ich bin davon über­zeugt, dass das digi­ta­le Radio in Öster­reich nur dann erfolg­reich sein kann, wenn alle Hör­funk­ver­an­stal­ter, also die Pri­va­ten sowie der ORF, dies gemein­sam wol­len und vor­an­trei­ben“, so Grinschgl. „Ein unein­heit­li­ches Vor­ge­hen wird die Kon­su­men­ten ver­un­si­chern und letzt­lich von ihnen auch nicht akzep­tiert wer­den.“ Gemein­sam mit der Gerä­te­in­dus­trie soll­te ein attrak­ti­ves Ange­bot geschnürt wer­den, das auch visu­ell nutz­ba­re Zusatz­diens­te und ent­spre­chen­de Gerä­te mit Dis­plays ent­hal­ten soll­te, um den Mehr­wert des digi­ta­len Hör­funks für die Ver­brau­cher greif­bar zu machen, so Grinschgl.

Grund­sätz­lich zuver­sicht­lich für eine digi­ta­le Zukunft des Hör­funks auch in Öster­reich zeig­te sich Mag. Micha­el Ogris, Vor­sit­zen­der der Regu­lie­rungs­be­hör­de Kom­m­Aus­tria: „Die Fra­ge ist aus mei­ner Sicht nicht mehr, ob digi­ta­ler Hör­funk in Öster­reich kommt. Die Fra­ge ist eher die nach dem geeig­ne­ten Zeit­punkt, denn ein klei­ne­rer Markt wie der unse­re wird beob­ach­ten müs­sen, wie sich das digi­ta­le Radio in den grö­ße­ren Nach­bar­staa­ten ent­wi­ckelt.“

Dr. Gerd Bau­er, Hör­funk­be­auf­trag­ter der Direk­to­ren­kon­fe­renz der deut­schen Lan­des­me­di­en­an­stal­ten, sieht auch Poli­tik und Regu­lie­rung in der Pflicht: „Die Abkehr von der ana­lo­gen Ter­re­strik im Fern­seh­be­reich wäre ohne die Rege­lun­gen der EU zur Inter­ope­ra­bi­li­tät von Fern­seh­ge­rä­ten nicht mög­lich gewe­sen. Ich plä­die­re des­halb seit lan­gem für eine Über­tra­gung die­ses tech­no­lo­gie­för­dern­den Regu­lie­rungs­an­sat­zes der EU auf den Hör­funk“. Dar­über hin­aus sprach er sich mit Blick auf eine Stär­kung der gesam­ten Gat­tung Hör­funk für den Über­gang von einer Lizen­sie­rungs­pflicht für die Hör­funk­ver­an­stal­ter zum blo­ßen Anzei­ge­ver­fah­ren sowie für eine kla­re Erwei­te­rung der Mög­lich­kei­ten von Hör­funk­ver­an­stal­tern bei Wer­bung und Spon­so­ring aus.

Auch Dr. Jür­gen Braut­mei­er, Vor­sit­zen­der der Direk­to­ren­kon­fe­renz der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten, warn­te davor, sich bei der Dis­kus­si­on über die Zukunft von Radio ledig­lich auf eine Dis­kus­si­on über den Ver­brei­tungs­weg zu beschrän­ken. „Es bedarf einer Gesamt­stra­te­gie für den digi­ta­len Hör­funk, bei deren Ent­wick­lung die Medi­en­an­stal­ten ger­ne eine Mode­ra­to­ren­rol­le über­neh­men wer­den“.

An der hoch­ka­rä­tig besetz­ten Tagung nah­men als wei­te­re Refe­ren­ten ORF-Hörfunkdirektor Mag. Karl Amon, der stellv. Geschäfts­füh­rer der BLM Johan­nes Kors, TKLM-Mitglied Dr. Til­man Lang, Boris Locht­ho­fen, stellv. Vor­sit­zen­der der APR, Mag. Peter Matz­nel­ler, stv. Geschäfts­füh­rer des EMR, Mar­cel Reg­not­to, Lei­ter der Sek­ti­on „Medi­en“ des Schwei­zer BAKOM, der Geschäfts­füh­rer der Digi­tal­ra­dio Deutsch­land GmbH Wil­li Schrei­ner, Klaus Schunk, Vize­prä­si­dent des VPRT, DeutschlandRadio-Intendant Dr. Wil­li Steul, Wolf­gang Stru­ber, Vor­stands­mit­glied des Ver­eins Digi­tal­ra­dio Öster­reich, Mag. Micha­el Wagen­ho­fer, Geschäfts­füh­rer des Sen­der­netz­be­trei­bers ORS sowie als Mode­ra­tor Stef­fen Grim­berg, Redak­teur des Medi­en­ma­ga­zins ZAPP, NDR, teil.

Die Rede­bei­trä­ge von Dr. Schei­de, Dr. Grinschgl und Dr. Bau­er sind unter www.lmsaar.de abruf­bar.

 

Kon­takt für Rück­fra­gen:

 

Andre­as Kunigk                                                                                                Vio­la Betz

Rund­funk und Tele­kom Regulierungs-GmbH                                            Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land

Maria­hil­fer Stra­ße 77–79, 1060 Wien                                                           Nell-Breuning-Allee 6, 66115 Saar­brü­cken

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28. Februar 2013