Gesellschaftliche Debatte für mehr Jugendmedienschutz gefordert!

LMS-Mediengespräch zum Thema „Selbstdarsteller, Mobber – Straftäter? – Kinder und Jugendliche im digitalen Raum“

PM 03/2017

Saar­brü­cken, 03. Febru­ar 2017: Beim LMS-Mediengespräch zum The­ma „Selbst­dar­stel­ler, Mob­ber – Straf­tä­ter? – Wer schützt Kin­der und Jugend­li­che im digi­ta­len Raum?“ for­der­te LMS-Direktor Uwe Con­radt einen effi­zi­en­te­ren Jugendmedienschutz.

Im Zen­trum der Fach­ver­an­stal­tung stand ein Vor­trag des Kri­mi­no­lo­gen Thomas-Gabriel Rüdi­ger, der am Insti­tut für Poli­zei­wis­sen­schaft der Fach­hoch­schu­le der Poli­zei des Lan­des Bran­den­burg forscht und sich dafür ein­setzt, dass die Sicher­heits­be­hör­den auch im digi­ta­len Raum spür­bar sind. Er stell­te nicht nur Fra­gen zum Schutz von Kin­dern und Jugend­lichen im digi­ta­len Raum, viel­mehr wur­de auch deut­lich, wie leicht die­se Alters­grup­pen nicht nur Opfer, son­dern auch selbst zu Tätern in ver­schie­de­nen Delikt­be­rei­chen wer­den kön­nen. „Unse­re Gesell­schaft hat bis­her kei­ne ver­tie­fen­de Dis­kus­si­on geführt, wie wir das Mit­ein­an­der in einem digi­ta­len Raum, der von Inter­ak­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen unbe­kann­ten Per­so­nen geprägt ist, eigent­lich siche­rer gestal­ten wol­len. Ins­be­son­de­re Online-Spiele sind hier­für ein Bei­spiel. Sie eröff­nen zusam­men mit wei­te­ren sozia­len Medi­en neue Kommunikations- und Inter­ak­ti­ons­räu­me, die über Alters­gren­zen und Geschlech­ter hin­weg zu unerwünsch­ten, auch extre­mis­ti­schen Kon­tak­ten bis hin zu sexu­el­len Über­grif­fen genutzt wer­den kön­nen. Hier muss noch bei vie­len Nut­zern das Bewusst­sein für poten­ti­el­le Gefah­ren und für die Gül­tig­keit von Nor­men ver­tieft wer­den. Aber auch Maß­nah­men und Kri­te­ri­en im Bereich der Auf­sicht bedür­fen stän­di­ger Anpas­sung. Ins­be­son­de­re der Jugend­me­di­en­schutz soll­te an die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen der Kommunikations­risiken des digi­ta­len Rau­mes ange­passt wer­den“, so Rüdiger.

Der Direk­tor der LMS, Uwe Con­radt, mahn­te vor dem Hin­ter­grund der geplan­ten Novel­le des Jugend­schutz­ge­set­zes eine brei­te gesell­schaft­li­che Debat­te an. Dabei müss­ten sich auch bestehen­de Struk­tu­ren hin­sicht­lich ihrer Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz einer Über­prü­fung stel­len, das The­ma dür­fe jedoch nicht vor­schnell und ent­ge­gen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Kom­pe­ten­zen bei der Auf­sicht über Rund­funk und Tele­me­di­en haupt­säch­lich auf den Bund über­tra­gen wer­den. „Ein stär­ke­res Enga­ge­ment des Bun­des ist in ers­ter Linie beim Vor­ge­hen gegen aus­län­di­sche Anbie­ter von unzu­läs­si­gen Ange­bo­ten anzu­den­ken“, so Con­radt. „Jugend­me­di­en­schutz ver­fügt bereits heu­te über einen viel­fäl­ti­gen Instru­men­ten­kas­ten, der in Tei­len noch effek­ti­ver ein­ge­setzt wer­den kann, zudem muss er auf neue Ent­wick­lun­gen und die Kon­ver­genz der Medi­en ange­passt wer­den. Auch bezüg­lich der Selbst­kon­troll­ein­rich­tun­gen braucht es ggf. Anpas­sun­gen beim Regu­lie­rungs­rah­men. Wich­tig ist zudem ein Zusammen­wirken von effi­zi­en­ter Auf­sichts­tä­tig­keit und Straf­ver­fol­gung auf der einen Sei­te mit Auf­klä­rungs­ar­beit und der För­de­rung von Medi­en­kom­pe­tenz auf der ande­ren Seite.“

Wie im Rah­men der poli­zei­li­chen Prä­ven­ti­ons­ar­beit auf neue Ent­wick­lun­gen ein­ge­gan­gen wird, ver­an­schau­lich­te Cars­ten Dewes, Lei­ter Prä­si­di­al­stab des Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­ums am Bei­spiel der Arbeit der Dezer­na­te für Cybercrime sowie Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on und Opfer­schutz. „Straf­ta­ten vor­zu­beu­gen erweist sich gera­de im Bereich des Inter­nets als genau­so wich­tig wie Kri­mi­na­li­tät zu bekämp­fen. Vie­le Täter agie­ren glo­bal, die Straf­ver­fol­gung erfolgt aber zumeist regio­nal. Hier muss im Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Stel­len eine aktu­el­le Exper­ti­se im Bereich der Bera­tung vor­ge­hal­ten wer­den, wie wir sie z.B. in der AG Medi­en­kom­pe­tenz regel­mä­ßig aus­tau­schen. Bei der Ver­fol­gung von Ver­stö­ßen und Straf­ta­ten im Inter­net gibt es eben­so eine fall­wei­se Zusam­men­ar­beit zwi­schen Medi­en­auf­sicht und Poli­zei“, so Dewes.

Aus jugend­po­li­ti­scher Sicht beleuch­te­te Catha­ri­na Becker, Vor­sit­zen­de des Landes­jugendrings Saar, das The­men­feld und ver­wies auf zahl­rei­che Ange­bo­te der Jugend­bil­dung: „Wie die jüngs­te JIM-Studie zum Medi­en­um­gang 12–19-Jähriger zeigt, beträgt die Aus­stat­tung die­ser Alters­grup­pe mit Smart­pho­ne und Inter­net­zu­gang mitt­ler­wei­le nahe­zu 100% und gehört der akti­ve d.h. auch inter­ak­ti­ve Umgang mit Online-Medien zum All­tag. Der digi­ta­le Raum gehört zur rea­len Lebens­welt Jugend­li­cher. Er ist damit weder gefähr­li­cher noch harm­lo­ser als die ana­lo­ge Welt. Wich­tig ist in bei­den Wel­ten, jun­ge Men­schen zu einem eigen­stän­di­gen, sou­ve­rä­nen und kri­ti­schen Umgang mit Medi­en zu befä­hi­gen“, so Becker. Sie appel­lier­te dabei auch an Eltern und Erzie­hen­de, Inter­es­se für die digi­ta­le Medi­en­welt zu zei­gen und sich ent­spre­chen­de Kennt­nis­se anzueignen.

Die Ver­an­stal­tung, an der zahl­rei­che Besu­cher aus den Berei­chen Poli­zei, Bildungs­wesen und Jugend­ar­beit teil­nah­men, wur­de mode­riert von Oli­ver Schwam­bach, Lei­ten­der Redak­teur bei der Saar­brü­cker Zei­tung. Auf­zeich­nun­gen aus der Ver­an­stal­tung und Inter­views wer­den in Kür­ze über das Por­tal www.medien-impulse.de online zugäng­lich gemacht.

 

Kon­takt für Presseanfragen:
Vio­la Betz
Pres­se­spre­che­rin / Lei­te­rin des Büros des Direktors

3. Februar 2017