SOS Pressefreiheit in Europa? — Veranstaltung von SJV, Siebenpfeiffer-Stiftung und LMS

PM 14/2018

v.l.n.r.: Mari­us Schnei­der, Sil­ke Bur­mes­ter, Flo­ri­an May­er, Theo­phil Gal­lo, Ulli Wag­ner, Uwe Conradt

Saarbrücken/Homburg, 04. Mai 2018: Der Saar­län­di­sche Jour­na­lis­ten­ver­band (SJV), die Siebenpfeiffer-Stiftung und die Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land (LMS) haben anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Tages der Pres­se­frei­heit am 03. Mai 2018 zur Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung „Demo­kra­tie und Medi­en – Jour­na­lis­mus in der digi­ta­len Welt“ eingeladen.

Der Vor­sit­zen­de der Siebenpfeiffer-Stiftung, Dr. Theo­phil Gal­lo, konn­te zahl­rei­che Besu­cher aus Poli­tik und Gesell­schaft sowie Medi­en­schaf­fen­de zu die­sem Dia­log begrü­ßen, den er in einen his­to­ri­schen Bezug zur deut­schen Demo­kra­tie­ge­schich­te und zur Geschich­te der Pres­se­frei­heit stellte.

Durch den Abend führ­ten der Jour­na­list Flo­ri­an May­er und die Vor­sit­zen­de des SJV, Ulli Wag­ner, die auch in einem ein­füh­ren­den Vor­trag anhand aktu­el­ler Daten über die Lage der Pres­se­frei­heit in Euro­pa ein­schließ­lich der Tür­kei infor­mier­te. Ulli Wag­ner stell­te fest: „Was die Pres­se­frei­heit in Euro­pa angeht, müs­sen wir von einem aku­ten Not­fall spre­chen und ‚SOS Pres­se­frei­heit‘ aus­ge­ben. Vier der fünf Staa­ten, die sich welt­weit am meis­ten ver­schlech­tert haben in der Rang­lis­te von Repor­ter ohne Gren­zen, lie­gen in Euro­pa. Es gibt immer mehr Het­ze gegen Jour­na­lis­ten und gegen kri­ti­sche Medi­en — unlieb­sa­me Jour­na­lis­ten wer­den mund­tot gemacht, weg­ge­sperrt, aus dem Weg geräumt. Wir brau­chen ein ‚Stand up for jour­na­lism‘ und ein Bewusst­sein für die Bedeu­tung der frei­en Pres­se für unse­re Gesellschaft.“

Die freie Jour­na­lis­tin Sil­ke Bur­mes­ter, „Kriegs­re­por­te­rin von der Medi­en­front“, Mit­glied bei Pro Quo­te, dem Pen Zen­trum Deutsch­land und den Frei­schrei­bern, zog in ihrem Vor­trag „Von der Iden­ti­tät zur Kri­se – wie äuße­re Kri­tik nach innen wirkt“ eine kri­ti­sche Bilanz zum Selbst­bild des eige­nen Berufs­stan­des. Sie appel­lier­te ange­sichts von Angrif­fen der Poli­tik und orga­ni­sier­ter Trol­le auf die Glaub­wür­dig­keit der Medi­en und unsi­che­rer wirt­schaft­li­cher Arbeits­be­din­gun­gen an Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten, sich mehr und selbst­be­wuss­ter für die eige­nen Belan­ge ein­zu­set­zen: „Die glo­ba­len Ver­su­che, die Pres­se­frei­heit zu schwä­chen, tref­fen — zumin­dest in Deutsch­land — auf einen Berufs­stand, der ver­un­si­cher­ter denn je ist. Kaputt gespart und zu Erfül­lungs­ge­hil­fen der PR degra­diert, fehlt vie­len Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten der Mumm, die Wer­te ihres Beru­fes und die der Pres­se­frei­heit zu verteidigen.“

Im anschlie­ßen­den Dia­log mit Uwe Con­radt zur „Bedeu­tung von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus für eine freie Gesell­schaft“ stell­te die­ser fest, dass alle gesell­schaft­li­chen Akteu­re Ver­ant­wor­tung für Frei­heits­rech­te über­neh­men müss­ten: Poli­tik, Gesetz­ge­ber, Medi­en­schaf­fen­de aber auch jeder ein­zel­ne: „Anony­me Trol­le und von Algo­rith­men gesteu­er­te Bots kön­nen die öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on mas­siv beein­träch­ti­gen und demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren zer­set­zen. Aus Grün­den der Prä­ven­ti­on spricht vie­les dafür, die per­sön­li­che Inan­spruch­nah­me stär­ker als bis­her ins Zen­trum der zustän­di­gen staats­fern orga­ni­sier­ten Medi­en­auf­sicht, der Staats­an­walt­schaf­ten und Gerich­te zu stel­len. Die Durch­set­zung der Anbie­ter­kenn­zeich­nung auf Twit­ter, You­Tube, Face­book und Co. ist dabei eine zen­tra­le Auf­ga­be, will man indi­vi­du­el­le Ver­ant­wor­tung wie­der herstellen.“

In einer Live-Schaltung nach Washing­ton betei­lig­te sich Marc Hoff­mann, USA-Korrespondent des ARD-Hörfunks, an der Dis­kus­si­on in Hom­burg. Sein The­ma war der „Jour­na­lis­mus im Trump-Zeitalter: Zwi­schen Schnel­lig­keit und Sorg­falt“. Er schil­der­te die Arbeits­be­din­gun­gen in einer durch enor­me Schnel­lig­keit und Fül­le gepräg­ten Nach­rich­ten­la­ge, die nur bewäl­tigt wer­den kön­ne, indem man sich auch auf die Qua­li­tät der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ande­rer Medi­en stüt­ze. Die Arbeit in den USA fin­de außer­dem in einem gesell­schaft­li­chen Kli­ma statt, das seit Jah­ren auf­ge­heizt und tief gespal­ten sei. „US-Präsident Trump ist für die Pres­se­frei­heit in den USA Fluch und Segen zugleich. Trump befeu­ert den Hass und säht Zwei­fel gegen­über eta­blier­ten Medi­en. Das ist eine Her­aus­for­de­rung für Jour­na­lis­ten­kol­le­gen, die genau spü­ren, wie wich­tig Ver­trau­en für glaub­wür­di­gen Jour­na­lis­mus ist. Zugleich haben mehr Ame­ri­ka­ner unter Trump das Bedürf­nis nach gutem Jour­na­lis­mus. Die gro­ßen Zei­tun­gen und Fern­seh­sen­der ant­wor­ten mit Fak­ten­checks und noch mehr Inves­ti­ga­ti­v­jour­na­lis­mus”, so Hoff­mann.

Neue Struk­tu­ren, neue Chan­cen, neue Her­aus­for­de­run­gen für die jour­na­lis­ti­sche Arbeit“ beleuch­te­te Dr. Mari­us Schnei­der. Als erfah­re­ner Jour­na­list und Teil der Geschäfts­füh­rung TV von WeltN24 gab er einen Ein­blick in die­ses Unter­neh­men, das Print, TV und Inter­net in einem Pro­jekt zusam­men­führt und die Kanä­le aus einer Hand bespielt. Aus der Per­spek­ti­ve des Unter­neh­mens warf er einen opti­mis­ti­schen Blick auf die neu­en Mög­lich­kei­ten für Qua­li­täts­jour­na­lis­mus durch die Digi­ta­li­sie­rung. Gewal­ti­ge Kon­kur­renz erwächst laut Schnei­der den tra­di­tio­nel­len Medi­en aller­dings durch Social Media-Plattformen. Auch wesent­li­che Aspek­te der Medi­en­nut­zung hät­ten sich ver­än­dert: „Bei der heu­ti­gen Flut an Infor­ma­tio­nen geht es weni­ger dar­um, was ich als Nut­zer wis­sen kann, als dar­um, was ich über­haupt wis­sen will. Der Nut­zer schafft sich sei­ne eige­ne Öffent­lich­keit, damit wird ins­be­son­de­re in der Kom­mu­ni­ka­ti­on über Social Media die Bla­se zum Geschäfts­mo­dell, mit der gesell­schaft­lich bedenk­li­chen Aus­wir­kung, dass der öffent­li­che Dis­kurs in die­se geschlos­se­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bla­se zer­fällt“, so Schnei­der. „Unse­re Auf­ga­be ist es, die­sen Bla­sen eine ande­re brei­te­re Öffent­lich­keit gegen­über­zu­stel­len, auf der Basis von hand­werk­lich gutem und span­nen­dem Jour­na­lis­mus. Im Zen­trum des Geschäfts steht der Wil­le ein gutes Medi­en­an­ge­bot auf allen Kanä­len zu machen: ein­ord­nen, begeis­tern, orientieren!“

Die Ver­an­stal­tung kann dem­nächst bei den Saar­brü­cker Medi­en­im­pul­sen nach­ge­le­sen wer­den: www.medien-impulse.de

Kon­takt für Presseanfragen:
Vio­la Betz
Pres­se­spre­che­rin / Lei­te­rin des Büros des Direktors

4. Mai 2018