Analyse von Google‐Suchergebnissen dient der Sicherung der Meinungsvielfalt

Abschlussbericht des Forschungsprojekts „#Datenspende“ publiziert

PM 22/2018

Saar­brü­cken, 25. Juli 2018: Wer sieht was bei einer Google‐Recherche zu poli­ti­schen The­men? Inwie­weit wird bei den gezeig­ten Ergeb­nis­sen per­so­na­li­siert? Und spielt die Regi­on, aus der die Such­an­fra­gen kom­men, eine Rol­le?
Die viel­zi­tier­te Fil­ter­bla­se ist gerin­ger als ange­nom­men – das ist zusam­men­ge­fasst die Ant­wort auf die­se Fra­gen, die aus dem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Abschluss­be­richt des For­schungs­pro­jekts „#Daten­spen­de: Goog­le und die Bun­des­tags­wahl 2017“ her­vor­geht.
Das Pro­jekt wur­de im Auf­trag der Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land (LMS) und fünf wei­te­rer Lan­des­me­di­en­an­stal­ten unter Feder­füh­rung der Baye­ri­schen Lan­des­zen­tra­le für neue Medi­en (BLM) durch­ge­führt. Die Pro­jekt­lei­tung lag bei der Informatik‐Professorin Katha­ri­na Zweig von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Kai­sers­lau­tern, die Daten­ana­ly­se erfolg­te in Koope­ra­ti­on mit der gemein­nüt­zi­gen Initia­ti­ve für die Kon­trol­le algo­rith­mi­scher Ent­schei­dungs­fin­dung Algo­rith­m­Watch.

Sucht man mit Goog­le nach den Namen von Par­tei­en, zeigt die ers­te Such­ergeb­nis­sei­te vor allem Web­sei­ten, deren Inhal­te die Par­tei­en selbst kon­trol­lie­ren. Bei 34 Pro­zent der Tref­fer han­delt es sich unmit­tel­bar um Web­sei­ten von Par­tei­en, Par­tei­an­ge­hö­ri­gen oder Orts­ver­bän­den. Wei­te­re 17 Pro­zent der Such­ergeb­nis­se sind Social‐Media‐Profile der Par­tei­en. Medi­en­an­ge­bo­te machen dem­ge­gen­über 26 Pro­zent der Ergeb­nis­se bei der Google‐Suche nach Par­tei­en aus.

Wenn die Ergeb­nis­se Schlag­zei­len ent­hal­ten, stam­men sie zu 80 Pro­zent von den Web­sei­ten deut­scher Print­me­di­en­an­bie­ter. Nach­rich­ten von Anbie­tern, deren ein­zi­ger Ver­brei­tungs­weg das Inter­net ist, machen 12 Pro­zent der Google‐Schlagzeilen aus, Nach­rich­ten der öffentlich‐rechtlichen Anstal­ten vier Pro­zent.

Sowohl bei der Recher­che nach Poli­ti­kern, als auch bei der Suche nach Par­tei­en erhal­ten die Nut­zer vie­le Über­ein­stim­mun­gen in den Ergeb­nis­lis­ten. Die Ergeb­nis­se nach Par­tei­en wei­sen zwar – im Unter­schied zu denen nach pro­mi­nen­ten Poli­ti­kern – zunächst etwas weni­ger Ähn­lich­kei­ten auf. Berück­sich­tigt man jedoch die stär­ke­re Regio­na­li­sie­rung der Orts­ver­bän­de der Par­tei­en, bleibt hier eben­falls eine gro­ße Über­ein­stim­mung.

Über­ra­schend war, dass die Google‐Suche nach Poli­ti­kern allen Nut­zern annä­hernd die glei­chen Ergeb­nis­se lie­fert. Das For­schungs­pro­jekt misst also nur weni­ge Anzei­chen für Per­so­na­li­sie­rung. Klar ist aber auch: Die Stu­die war eine Moment­auf­nah­me. Bereits mor­gen kön­nen die Ergeb­nis­se anders aus­se­hen“, so das Fazit von BLM‐Präsident Sieg­fried Schnei­der. Aus sei­ner Sicht dür­fe es daher „kei­ne gene­rel­le Ent­war­nung“ geben, man müs­se viel­mehr „erst ein­mal bei ande­ren Inter­me­diä­ren wie Face­book ähn­li­che Daten­ana­ly­sen zum Ein­fluss von Algo­rith­men auf die öffent­li­che Mei­nung durch­füh­ren“.

LMS‐Direktor Uwe Con­radt: Die Siche­rung der Mei­nungs­viel­falt war immer ein zen­tra­les Ele­ment der bis­he­ri­gen Rund­funk­re­gu­lie­rung. Mitt­ler­wei­le sind aber auch Inter­me­diä­re wie Goog­le oder Face­book zu zen­tra­len Orten für Mei­nungs­bil­dung und öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on gewor­den. Eine Wei­ter­ent­wick­lung der Medi­en­re­gu­lie­rung muss des­halb Min­dest­stan­dards set­zen für die Siche­rung der Mei­nungs­viel­falt, Trans­pa­renz und Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit. Das Pro­jekt hat gezeigt, dass es mit­tels Daten­ana­ly­se mög­lich ist fest­zu­stel­len, ob Algo­rith­men die poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­zer­ren oder sogar die Ver­brei­tung von Falsch­mel­dun­gen oder Het­ze för­dern.“

Die LMS hat ihre Akti­vi­tä­ten zur Viel­falts­si­che­rung bereits um eine struk­tu­rier­te Beob­ach­tung und Erfas­sung des digi­ta­len Rau­mes ergänzt. „Mit dem Ziel der Unter­rich­tung von Poli­tik und Öffent­lich­keit erstellt die LMS seit weni­gen Mona­ten den Soci­al Media, App‐ und Web‐Report. Die­ser ist das zusam­men­ge­fass­te Ergeb­nis des Web­mo­ni­to­rings der LMS, in ihm wer­den glo­ba­le Ten­den­zen der Platt­form­öko­no­mie genau­so abge­bil­det wie die Bedeu­tung von neu­en Akteu­ren oder tra­di­tio­nel­len Medi­en­an­ge­bo­ten“, so Con­radt.

Das For­schungs­pro­jekt „#Daten­spen­de: Goog­le und die Bun­des­tags­wahl 2017“ wur­de neben der BLM und der LMS durch die Lan­des­me­di­en­an­stal­ten Berlin‐Brandenburg (mabb), Hes­sen (LPR Hes­sen), Rheinland‐Pfalz (LMK), und Sach­sen (SLM) finan­ziert.

Den Abschluss­be­richt und den Soci­al Media, App‐ und Web‐Report fin­den Sie hier: https://www.lmsaar.de/service/publikationen/

Kon­takt für Pres­se­an­fra­gen:
Vio­la Betz
Pres­se­spre­che­rin / Lei­te­rin des Büros des Direk­tors
E‐Mail: betz [at] LMSaar [dot] de
Tel.: 0681 38988–11

25. Juli 2018