Digitalisierung pusht Rollenklischees

Webkonferenz „Weibliche Rollenbilder, KI und Social Media“ am 05.11.20 beleuchtete ein aktuelles Medienthema aus pädagogischer, ethischer und rechtlicher Sicht

PM 31/2020

Saar­brü­cken, 05. Novem­ber 2020:

Geht “blond” auch in “schlau”? Oder kön­nen Influ­en­ce­rin­nen tat­säch­lich nur Mode und Beau­ty? Mit sol­chen Ste­reo­ty­pen haben Frau­en heu­te immer noch zu kämp­fen, wenn sie sich im Netz oder auch off­line bewegen.

Teilnehmer*innen aus ganz Deutsch­land waren heu­te bei der drei­stün­di­gen Web­kon­fe­renz „Weib­li­che Rol­len­bil­der, KI und Social Media“ online und haben live mit ver­folgt, wie kom­plex Frau­sein in der media­len Welt heut­zu­ta­ge sein kann. Sie nutz­ten die Gele­gen­heit, sich mit nam­haf­ten Expert*innen aus den Berei­chen For­schung, Ethik und Recht sowie Influ­en­ce­rin­nen und pro­mi­nen­ten Frau­en per­sön­lich auszutauschen.

Die gemein­sa­me Ver­an­stal­tung der LMS und des Minis­te­ri­ums für Sozia­les, Gesund­heit, Frau­en und Fami­li­en bot mit ihrer hoch­ka­rä­ti­gen Beset­zung ein bun­des­wei­tes Forum für eine fach­lich fun­dier­te Debat­te zu kli­schee­ar­ti­gen Rol­len­bil­dern und den damit ver­bun­de­nen gesell­schaft­li­chen Pro­blem­la­gen. “Weib­li­che Rol­len­bil­der in der digi­ta­len Welt in die­ser dif­fe­ren­zier­ten Form zu beleuch­ten war längst über­fäl­lig. Es geht hier nicht dar­um, einen intel­lek­tu­el­len Dis­kurs zu füh­ren, son­dern die­ses The­ma ist genera­ti­ons­über­grei­fend und geht uns alle an. Denn Cyber­groo­m­ing, Cybermob­bing und Hass­kom­men­ta­re sind nicht nur Pro­ble­me von berühm­ten Influ­en­ce­rin­nen und Influ­en­cern,” so Frau­en­mi­nis­te­rin Moni­ka Bachmann.

Autorin und Kolum­nis­tin Lau­ra Kara­sek führ­te locker und poin­tiert durch die vir­tu­el­le Ver­an­stal­tung. Dr. Maya Götz vom Inter­na­tio­na­len Zen­tral­in­sti­tut für das Jugend- und Bil­dungs­fern­se­hen zeig­te auf, wie weib­li­che Jugend­li­che auf Insta­gram eine maxi­ma­le Selbst­in­sze­nie­rung nach dem Vor­bild ihrer Influ­en­ce­rin­nen betrei­ben. Eine Mas­ke­ra­de wird zum unhin­ter­frag­ten Stan­dard und lässt kei­ne Abwei­chung zu. Sie plä­dier­te für eine ver­stärk­te Ver­mitt­lung femi­nis­ti­scher Inhal­te und die Not­wen­dig­keit von Gleich­stel­lungs­ar­beit. Sie for­der­te hier­bei vor allem poli­ti­sches Han­deln ein, um Struk­tu­ren zu durch­bre­chen. Mode­ra­to­rin Ruth Mosch­ner appel­lier­te zudem an Eigen­ver­ant­wort­lich­keit von Frau­en, wobei sie beton­te, dass kei­ner das Recht habe, sein Gegen­über im Netz zu sexua­li­sie­ren oder zu diskriminieren.

Weib­li­che Stim­me bei Ale­xa und Siri trügt
Ist KI männ­lich oder weib­lich? Die­ser Fra­ge­stel­lung ging Prof. Dr. Petra Grimm in ihrem Vor­trag nach. Sie zeig­te algo­rith­mus­be­ding­te Mani­pu­la­tio­nen auf und for­der­te eine mensch­li­che Künst­li­che Intel­li­genz, die auch den weib­li­chen Blick­win­kel inte­griert. In der Abschluss­dis­kus­si­on mit Schau­spie­le­rin Lisa Volz und Mela­nie Schna­bel, Lei­te­rin Fach­stel­le Mäd­chen­ar­beit des Pari­tä­ti­schen Bil­dungs­werks Saar­land, waren sich alle Betei­lig­ten einig, dass es in der früh­kind­li­chen Erzie­hung anzu­set­zen gilt, um tra­dier­te Rol­len­kli­schees zu durch­bre­chen und Her­an­wach­sen­de für ande­re Sicht­wei­sen zu sensibilisieren.

Wir Frau­en müs­sen uns natür­lich selbst immer wie­der aktiv über Kli­schees und Rol­len­bil­der im Netz hin­weg­set­zen und unse­re eige­nen Absich­ten hin­ter­fra­gen. Gleich­zei­tig bedarf es geeig­ne­ter Maß­nah­men, um für Rol­len­kli­schees im Netz zu sen­si­bi­li­sie­ren und die­se auf­zu­bre­chen. Dis­kri­mi­nie­rung, Hass und Het­ze in den sozia­len Medi­en müs­sen stär­ker kon­trol­liert und ver­folgt wer­den. Dabei geht es auch um mehr Trans­pa­renz hin­sicht­lich zum Ein­satz kom­men­der KI bei den gro­ßen Platt­form­an­bie­tern. KI darf bestehen­de Rol­len­bil­der nicht repro­du­zie­ren, son­dern muss die Diver­si­tät der Gesell­schaft för­dern und wie­der­spie­geln,” so Ruth Mey­er, Direk­to­rin der LMS.

Die pro­ble­ma­ti­sche Wir­kung bis­he­ri­ger Ste­reo­ty­pe zu durch­bre­chen und für eine qua­li­ta­ti­ve Viel­falts­för­de­rung zu sor­gen, ist eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Auf­ga­be, die gera­de mit dem neu­en Medi­en­staats­ver­trag auch den Medi­en­an­stal­ten obliegt. Dis­kri­mi­nie­ren­de Rol­len­bil­der sind eng ver­knüpft mit zen­tra­len The­men­stel­lun­gen wie Jugend­schutz und dem Kampf gegen Des­in­for­ma­ti­on, die im Sin­ne der Regu­lie­rung und Auf­sicht zukünf­tig in einem noch viel brei­te­ren Spek­trum ins­be­son­de­re mit Blick auf die sozia­len Medi­en statt­fin­den müssen.

Die The­men Digi­ta­li­sie­rung und weib­li­che Rol­len­bil­der wer­den die LMS auch wei­ter­hin beschäf­ti­gen. The­me­nin­put, Stu­di­en­ergeb­nis­se und Veranstaltungs-hinweise kön­nen ger­ne an die E‑Mailadresse lms-pressestelle [at] LMSaar [dot] de gesen­det wer­den. Bereits jetzt sind zahl­rei­che Stu­di­en sowie wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zum Kon­fe­renz­the­ma unter www.LMSaar.de/rollenbilder2020 zu finden.

Bild­nach­weis: Abdruck hono­rar­frei — Quel­le: Lan­des­me­di­en­an­stalt Saarland
Bild 1: Ruth Mey­er (rechts im Bild) dankt den Referent*innen der Veranstaltung
Bild 2: Ruth Mey­er und Lau­ra Kara­sek eröff­nen die Webkonferenz

Kon­takt für Presseanfragen:
Lia­ne Stieler-Joachim
Pressesprecherin
E‑Mail: stieler-joachim [at] LMSaar [dot] de
Tel.: 0681 38988–11

5. November 2020