Impulse für eine faire digitale Gesellschaft

Interaktive Webkonferenz „Meinung – Macht – Medien“ am 13.11.20
diskutierte den Einfluss digitaler Medien auf Demokratie und Meinungsbildung

PM 33/2020

 


Saar­brü­cken, 13. Novem­ber 2020:

Inwie­weit wer­den freie Mei­nungs­bil­dung und Mei­nungs­viel­falt durch Medi­en­kon­zen­tra­ti­on, Tech­no­lo­gie und Algo­rith­men beein­träch­tigt? Wel­che Rol­le kön­nen Auf­sichts­be­hör­den und euro­päi­sche Insti­tu­tio­nen gegen­über den Big Five der US-amerikanischen Technologie-Unternehmen spie­len? Im Rah­men der bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­ge Netz­po­li­tik & Demo­kra­tie bot die Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung gemein­sam mit der Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land (LMS) in einer inter­ak­ti­ven Web­kon­fe­renz ein Forum, um sich über die­se aktu­el­len Fra­ge­stel­lun­gen auszutauschen.

 

Nutzer*innen im Zwiespalt

Sprach­as­sis­ten­ten, Platt­for­men, Smart-TVs und ande­re Benut­zer­ober­flä­chen bestim­men mit ihren Ange­bo­ten für Infor­ma­ti­on, Unter­hal­tung oder sozia­les Mit­ein­an­der längst unse­ren All­tag. Doch fehlt häu­fig die Trans­pa­renz, auf­grund wel­cher digi­ta­ler Mecha­nis­men gera­de bestimm­te Ange­bo­te ange­zeigt wer­den, ande­re dage­gen weni­ger pro­mi­nent oder gar nicht. Ob wir einer Nach­richt ver­trau­en dür­fen, bedarf oft kom­ple­xer Über­prü­fun­gen. Die Digi­ta­li­sie­rung aller Lebens­be­rei­che hat zu teil­wei­se schar­fen Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­über geführt, wer Mega-Plattformen wie Goog­le, Face­book und You­Tube kon­trol­liert und wel­che Regeln grei­fen müs­sen, um eine gerech­te, fai­re und demo­kra­ti­sche Gesell­schaft zu gewährleisten.

 

Ingrid Brod­nig, Jour­na­lis­tin und Autorin des Buches „Über­macht im Netz“, stell­te in ihrer Key­note „Wie wir unse­re Demo­kra­tie bewah­ren“ aktu­el­le Risi­ken hin­sicht­lich der heu­ti­gen Aus­ge­stal­tung des Inter­nets her­aus, for­mu­lier­te aber auch Lösungs­vor­schlä­ge aus Per­spek­ti­ve der Nutzer*innen sowie für die Gesell­schaft als Gan­zes. Sie plä­dier­te für eine EU-weite Regu­lie­rung der gro­ßen Platt­form­an­bie­ter und beton­te die Bedeu­tung nied­rig­schwel­li­ger Bil­dungs­an­ge­bo­te für die Brei­te der Bevöl­ke­rung. An vie­len anschau­li­chen Bei­spie­len stell­te sie her­aus, welch zen­tra­le Rol­le per­sön­li­che Daten im Wirt­schafts­kreis­lauf spie­len und wie unser Ver­hal­ten hier­durch beein­flusst wird.

 

Des­in­for­ma­ti­on ist ein viel­schich­ti­ges Phä­no­men. Je nach Absicht, Abwei­chungs­grad von der Wahr­heit, Ver­brei­tung und The­ma­tik steckt hier­in eine enor­me Schad­wir­kung und eine Gefähr­dung der demo­kra­ti­schen Mei­nungs­bil­dung. Daher freue ich mich, dass sich die LMS — in Abstim­mung mit dem Medi­en­rat — genau die­sem The­ma im Bun­des­tags­wahl­jahr 2021 im Schwer­punkt wid­men wird. Durch Auf­sicht und Regu­lie­rung, wie im neu­en Medi­en­staats­ver­trag fixiert, aber auch mit geziel­ter Auf­klä­rung und der Ver­mitt­lung von Medi­en­kom­pe­tenz wer­den wir als Lan­des­me­di­en­an­stalt unse­ren Teil dazu bei­tra­gen. Medi­en­bil­dung, schu­li­sche und poli­ti­sche Bil­dung müs­sen dabei inein­an­der­grei­fen,“ so Ruth Mey­er, Direk­to­rin der LMS.

 

In der Podi­ums­dis­kus­si­on mit Ingrid Brod­nig, Ruth Mey­er, dem Sozi­al­päd­ago­gen Mar­co Fuchs und Mode­ra­tor Rüdi­ger Fries ging es unter ande­rem dar­um, was jede und jeder Ein­zel­ne tun kann, um sich sou­ve­rän und mün­dig zu ver­hal­ten und sich gegen Daten­miss­brauch zu weh­ren. Die Nut­zung alter­na­ti­ver IT-Produkte stand hier eben­so zur Debat­te wie die Visi­on einer streng regu­lier­ten euro­päi­schen Platt­form. Gleich­zei­tig herrsch­te Einig­keit dar­über, dass poli­ti­schen Ent­schei­dern sowie öffentlich-rechtlichen Insti­tu­tio­nen eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung für den Schutz der Medi­en­viel­falt im digi­ta­len Raum zukommt.

 

Der Lei­ter der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung des Saar­lan­des, Dr. Erik Harms-Immand, hob die Bedeu­tung der Ver­an­stal­tung her­vor: „Ziel der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung ist es, gemein­sam mit ihren regio­na­len und bun­des­wei­ten Kooperations- und Netzwerkpartner*innen die Bürger*innen dahin­ge­hend zu unter­stüt­zen, dass sie durch die Nut­zung viel­fäl­ti­ger non-linearer Medi­en­an­ge­bo­te zuver­läs­si­ge und wahr­haf­te Infor­ma­tio­nen erken­nen und sinn­haft in ihren Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess ein­flie­ßen las­sen kön­nen. Inter­dis­zi­pli­nä­re Impul­se, wie sie heu­te von der leb­haf­ten Dis­kus­si­on und den gesam­ten Akti­ons­ta­gen gelie­fert wur­den, stel­len eine wich­ti­ge Grund­la­ge für die ste­ti­ge Neu- und Wei­ter­ent­wick­lung der poli­ti­schen Medi­en­bil­dung dar.“

 

Für alle, die der Ver­an­stal­tung nicht live fol­gen konn­ten, wird in Kür­ze ein Mit­schnitt über www.youtube.com/LMSaar zur Ver­fü­gung stehen.

 

Bild­nach­weis: Abdruck hono­rar­frei — Quel­le: Lan­des­me­di­en­an­stalt Saarland

Bild: Ruth Mey­er, Direk­to­rin Lan­des­me­di­en­an­stalt Saarland

 

Kon­takt für Presseanfragen:

Lia­ne Stieler-Joachim

Pres­se­spre­che­rin

E‑Mail: stieler-joachim [at] LMSaar [dot] de

Tel.: 0681 38988–11

17. November 2020