Relevanz von Google, Facebook & Co. für die Meinungsbildung steigt weiter

Medienanstalten präsentieren Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“ im Rahmen der Vorstellung des aktuellen Vielfaltsberichts

Über­nah­me der Pressemitteilung

DIE MEDIENANSTALTEN | 23/2021 | Ber­lin 26
Seit Jah­ren bele­gen die Ergeb­nis­se der Stu­die „Inter­me­diä­re und Mei­nungs­bil­dung“ der Medi­en­an­stal­ten die zuneh­men­de Rele­vanz von Ange­bo­ten wie Goog­le, Face­book & Co. beim Infor­ma­ti­ons­ver­hal­ten und der Mei­nungs­bil­dung der Bevöl­ke­rung. Die heu­te im Rah­men der Vor­stel­lung des fünf­ten Viel­falts­be­richts anläss­lich der Medi­en­ta­ge Mün­chen prä­sen­tier­ten aktu­el­len Daten der Stu­die unter­strei­chen die­se Entwicklung.

Mehr als 46 Pro­zent der Per­so­nen ab 14 Jah­ren in Deutsch­land infor­mie­ren sich an einem Durch­schnitts­tag, indem sie die Medi­en­in­ter­me­diä­re nicht nur als Kon­tak­t­her­stel­ler nut­zen, son­dern auch Infor­ma­tio­nen direkt auf den Diens­ten wahr­neh­men. Mit einem Plus von 44 Pro­zent gegen­über 2019 zeigt die Infor­ma­ti­ons­nut­zung über Medi­en­in­ter­me­diä­re sogar einen deut­lich stär­ke­ren Zuwachs als die Infor­ma­ti­ons­nut­zung über die crossmedia­len Ange­bo­te klas­si­scher Medi­en und das Inter­net gesamt (38 bzw. 36 Prozent).

Die Siche­rung von Medi­en­viel­falt auch im digi­ta­len Raum ist unver­zicht­bar für unse­re Demo­kra­tie. Dabei tra­gen Medi­en­in­ter­me­diä­re als Tor­wäch­ter für Infor­ma­tio­nen gegen­über der Gesell­schaft Ver­ant­wor­tung für bestimm­te Ent­schei­dun­gen mit poten­zi­el­len Aus­wir­kun­gen auf die Mei­nungs­viel­falt. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es rich­tig, Medi­en­in­ter­me­diä­re unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes der Mei­nungs­viel­falt regu­la­to­risch in den Fokus zu neh­men. Der Medi­en­staats­ver­trag spielt hier mit den Rege­lun­gen zur Trans­pa­renz von Such­al­go­rith­men und zur Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit für journalistisch-redaktionelle Inhal­te eine Vor­rei­ter­rol­le. Auf­grund der klar medi­en­recht­lich, und zwar die Mei­nungs­viel­falt sichern­den Aus­rich­tung der Regu­lie­rung steht die­se selb­stän­dig neben den aktu­el­len Geset­zes­in­itia­ti­ven auf euro­päi­scher Ebe­ne,“ betont Dr. Wolf­gang Krei­ßig, Vor­sit­zen­der der Direk­to­ren­kon­fe­renz der Lan­des­me­di­en­an­stal­ten (DLM) mit Blick auf die aktu­el­len Dis­kus­sio­nen in Brüs­sel zum Digi­tal Ser­vices Act und Digi­tal Media Act.

Am häu­figs­ten kom­men Such­ma­schi­nen zu infor­mie­ren­den Zwe­cken zum Ein­satz. Goo­g­les Such­ma­schi­ne liegt in allen Alters­grup­pen an ers­ter Stel­le mit 32,7 Pro­zent, gefolgt von You­Tube, das sich mit einer infor­mie­ren­den Tages­reich­wei­te von 12,1 Pro­zent erst­mals knapp vor Face­book mit 11,9 Pro­zent platziert.

Kernbefunde der aktuellen Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“

Infor­mie­ren­de Medi­en­nut­zung auch gegen Ende der Coro­na Kri­se überdurchschnittlich

  • Die infor­mie­ren­de Medi­en­nut­zung in Deutsch­land ist wei­ter­hin über­durch­schnitt­lich. 89 Pro­zent der Per­so­nen in Deutsch­land haben sich ges­tern im TV, Inter­net, Radio, in Tages­zei­tun­gen oder in Zeit­schrif­ten über das Zeit­ge­sche­hen informiert.
  • Die höchs­te infor­mie­ren­de Tages­reich­wei­te ver­zeich­net nach wie vor das Fern­se­hen (56 Pro­zent), gefolgt vom Inter­net (53 Pro­zent) und Radio, dass von gut 47 Pro­zent der deutsch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung ab 14 Jah­ren täg­lich genutzt wird, um sich über das Zeit­ge­sche­hen zu informieren.

Nut­zungs­schub des Inter­nets bei der infor­mie­ren­den Nutzung

  • Das Inter­net erfährt im Corona-Jahr 2020 den größ­ten „Nut­zungs­schub“ und wächst wei­ter. Um 14 Pro­zent­punk­te ist sei­ne infor­mie­ren­de Tages­reich­wei­te seit 2019 gestie­gen. Der Abstand zum „Info-Leitmedium“ Fern­se­hen schrumpft auf 2,9 Pro­zent­punk­te. Nach dem sub­jek­tiv wich­tigs­ten Infor­ma­ti­ons­me­di­um gefragt, ist das Inter­net das am häu­figs­ten genann­te Info­me­di­um (38,1 Prozent).
  • Einen Teil der wach­sen­den Bedeu­tung als Infor­ma­ti­ons­quel­le ver­dankt das Inter­net der crossmedia­len Nut­zung klas­si­scher Medi­en­an­ge­bo­te. Für 2020 ist ein pan­de­mie­be­ding­ter Nut­zungs­schub erkenn­bar. Aktu­ell infor­miert sich deut­lich mehr als ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung ab 14 Jah­ren in Deutsch­land pro Tag über die Onlineange­bo­te klas­si­scher Medi­en (37,4 Pro­zent). Das sind 26,5 Mio. Per­so­nen ab 14 Jahren.

Inter­me­diä­re ent­schei­den mit, wel­che Infor­ma­tio­nen Nut­zen­de im Inter­net sehen

  • Fast jeder Zwei­te (46 Pro­zent) / 33 Mio. Per­so­nen ab 14 Jah­ren nut­zen täg­lich Such­ma­schi­nen, sozia­le Netz­wer­ke und Instant-Messenger-Dienste, um sich über das Zeit­ge­sche­hen zu infor­mie­ren. Goog­le ist in allen Alters­klas­sen meist­ge­nutz­ter Inter­me­di­är, gefolgt von You­tube, Face­book und Instagram.
  • Bei den Jün­ge­ren spie­len Inter­me­diä­re eine noch wich­ti­ge­re Rol­le für die Infor­ma­ti­on. Für Drei Vier­tel (75 Pro­zent) der 14 bis 29-Jährigen bestim­men Medi­en­in­ter­me­diä­re mit, wel­che Infor­ma­tio­nen zum Zeit­ge­sche­hen aus Deutsch­land und der Welt im Inter­net wahr­ge­nom­men wer­den. Insta­gram belegt mitt­ler­wei­le die zwei­te Posi­ti­on hin­ter Goog­le bei der infor­mie­ren­den Nut­zung. You­Tube und Face­book fol­gen auf Rang 3 und 4.

Inter­me­diä­re sind wich­ti­ge Gate­kee­per und Kon­tak­t­her­stel­ler für Informationsangebote

  • Bei mitt­ler­wei­le mehr als jedem vier­ten ab 14-Jährigen in Deutsch­land führt der Weg zu den Online-Info­quel­len über Medi­en­in­ter­me­diä­re (27,9 Pro­zent). Eine her­aus­ra­gen­de Rol­le als Kon­tak­t­her­stel­ler spie­len dabei Such­ma­schi­nen. Rund jeder Zwei­te, der die Web­an­ge­bo­te klas­si­scher Medi­en oder ori­gi­nä­re Onlineange­bo­te als Info­quel­le nutzt, gelangt aktu­ell über eine Such­ma­schi­ne dort­hin. Das ent­spricht weit mehr als einem Fünf­tel der Bevöl­ke­rung ab 14 Jah­ren (22,3 Prozent).

Die Stu­die „Inter­me­diä­re und Mei­nungs­bil­dung“ fin­den Sie unter: https://www.die-medienanstalten.de/themen/forschung/intermediaere-und-meinungsbildung.
Der fünf­te Viel­falts­be­richt steht auf der Web­sei­te der Medi­en­an­stal­ten zum Down­load bereit:
https://www.die-medienanstalten.de/publikationen/vielfaltsbericht/vielfaltsbericht-der-medienanstalten-2021.
Er bie­tet die aktu­el­len Zah­len des Medi­en­viel­falts­mo­ni­tors und beleuch­tet im zwei­ten Pandemie-Jahr und Super­wahl­jahr 2021 den The­men­be­reich der Umset­zung der neu­en Regu­lie­rung von Online-Medien und ‑Platt­for­men.

 

26. Oktober 2021