Schutz von Freiheit und Demokratie im digitalen Raum

Start des Kooperationsprojektes „Courage im Netz – Gemeinsam gegen Hass und Hetze“

PM 02/2022

Saar­brü­cken, 25. Janu­ar 2022: Um ein deut­li­ches Zei­chen gegen Hass­bot­schaf­ten im Netz zu set­zen, hat sich die Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land mit dem Minis­te­ri­um der Jus­tiz, ver­tre­ten durch die Staats­an­walt­schaft Saar­brü­cken (Son­der­de­zer­nat Cybercrime), dem Minis­te­ri­um für Inne­res, Bau­en und Sport, dem Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­um Saar­land und dem Minis­te­ri­um für Sozia­les, Gesund­heit, Frau­en und Fami­lie (Lan­des­ju­gend­amt) in einem Akti­ons­bünd­nis zusam­men­ge­tan. Mit Beginn des Jah­res 2022 star­tet das dar­aus resul­tie­ren­de Koope­ra­ti­ons­pro­jekt „Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze“.

Gera­de die per­sön­li­chen Anfein­dun­gen über das Netz, die in letz­ten Mona­ten publik wur­den, haben ver­deut­licht, wel­che Aus­wir­kun­gen digi­ta­le Inhal­te auf unser ana­lo­ges Leben haben. Hass und Het­ze brei­ten sich ins­be­son­de­re über sozia­le Medi­en aus: auf Platt­for­men wer­den Men­schen zu Opfern digi­ta­ler Gewalt, sehen sich mit Bedro­hun­gen oder Cybermob­bing in Form von Hass­nach­rich­ten kon­fron­tiert. Die­se Art von Anfein­dun­gen ver­gif­ten die offe­ne demo­kra­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Unter­hal­tungs­kli­ma im Inter­net und kön­nen stil­bil­dend für den ana­lo­gen Umgang werden.

Ziel des Koope­ra­ti­ons­pro­jek­tes, wel­ches auf Basis des nordrhein-westfälischen Bei­spiels auf die Bedar­fe im Saar­land ange­passt wur­de, ist eine erleich­ter­te Rechts­durch­set­zung im Inter­net. Denn das Inter­net ist kei­nes­wegs ein rechts­frei­er Raum. Auf­grund der erhöh­ten Anzahl von Hass­kom­men­ta­ren und dem damit ein­her­ge­hen­den Haf­tungs­ri­si­ko auf eige­nen Inter­net­sei­ten oder Social Media Accounts sehen sich Anbie­ter bis­her gezwun­gen, unzu­läs­si­ge Kom­men­ta­re zu ent­fer­nen. Hass­kom­men­ta­re oder ‑bei­trä­ge sol­len nicht nur gelöscht, son­dern müs­sen auch kon­se­quent straf­recht­lich geahn­det werden.

Der beson­de­re Fokus liegt auf der Ver­tei­di­gung der grund­recht­lich ver­an­ker­ten Per­sön­lich­keits­rech­te eines/einer jeden Ein­zel­nen im Inter­net. Gleich­zei­tig soll die Mei­nungs­frei­heit geschützt wer­den, deren Aus­übung erst in einem gewalt­frei­en Kli­ma unein­ge­schränkt mög­lich ist. Um dies zu gewähr­leis­ten, ermög­licht die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze“ teil­neh­men­den Partner:innen effi­zi­en­te Ver­fah­rens­ab­läu­fe bei der Anzei­ge straf­recht­lich rele­van­ter Sach­ver­hal­te und stellt kla­re Ansprechpartner:innen zur Sei­te, um den ver­fah­rens­tech­ni­schen Pro­zess ins­ge­samt zu ver­ein­fa­chen. Dabei setzt das Pro­jekt auf 3 Säu­len: Der prä­ven­ti­ve und akti­ve Ansatz setzt auf mar­kie­ren­de und dees­ka­lie­ren­de Akti­vi­tä­ten im Netz sowie auf Schu­lun­gen zum dis­zi­pli­nier­ten Strei­ten. Repres­siv wird eine bedie­nungs­freund­li­che Anzei­gen­er­stat­tung via Online-Wache eröffnet.

Klaus Bouil­lon, Minis­ter für Inne­res, Bau­en und Sport: „Der Gesetz­ge­ber hat mit dem Geset­zes­pa­ket gegen Hass und Het­ze deut­lich gemacht, dass das Inter­net kein rechts­frei­er Raum ist. Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass sich Hass und Het­ze im Netz unge­bremst aus­brei­ten kön­nen. Gera­de in der Pan­de­mie müs­sen wir lei­der fest­stel­len, dass Tira­den des Has­ses immer mehr Opfer for­dern. Dem müs­sen wir ent­schlos­sen ent­ge­gen­tre­ten, indem alle betei­lig­ten Behör­den und Insti­tu­tio­nen eng ver­netzt zusam­men­wir­ken. Sicher­heits­ar­beit ist Team­ar­beit. Und genau dafür steht die saar­län­di­sche Initia­ti­ve ‚Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze‘, ein beein­dru­cken­des Gemein­schafts­pro­jekt. Ziel dabei ist es zu gewähr­leis­ten, dass den teil­neh­men­den Medi­en­un­ter­neh­men und Ein­rich­tun­gen der Kinder- und Jugend­ar­beit direk­te und ein­fa­che Wege zur Anzei­gen­er­stat­tung bei der Poli­zei eröff­net wer­den. Dies soll über die Online-Wache des Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­ums erfol­gen. Der direk­te Draht zur Poli­zei erhöht die Chan­cen, Tat­ver­däch­ti­ge zu iden­ti­fi­zie­ren und Bewei­se zu sichern, was Grund­vor­aus­set­zung für eine effek­ti­ve Ver­fol­gung der Hass­kri­mi­na­li­tät im Netz ist. Mit der gemein­sa­men Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung leis­ten wir einen res­sort­über­grei­fen­den, ver­läss­li­chen und nach­hal­ti­gen Bei­trag für ein Mehr an Sicher­heit für die saar­län­di­schen Bür­ge­rin­nen und Bürger.“

Für uns als Jugend- und Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um ist es ein beson­de­res Anlie­gen, gegen Hass im Netz vor­zu­ge­hen. Allen, die Wor­te und Bil­der als Waf­fe ein­set­zen, bewusst und gezielt Men­schen abwer­ten oder angrei­fen, wol­len wir mit die­sem Bünd­nis Ein­halt gebie­ten. Wir müs­sen moder­ne und gute Rah­men­be­din­gun­gen für ein siche­res Auf­wach­sen mit dem Inter­net und den sozia­len Medi­en schaf­fen, um unse­re Kin­der aber auch alle Saar­län­de­rin­nen und Saar­län­der zu schüt­zen“, so Staats­se­kre­tär Ste­phan Kol­ling, Minis­te­ri­um für Sozia­les, Gesund­heit, Frau­en und Familie.

Roland Theis, Staats­se­kre­tär der Jus­tiz: „Das Inter­net ist Teil unser aller Leben; es darf kein rechts­frei­er Raum sein. Das Koope­ra­ti­ons­pro­jekt „Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze“ ist des­halb genau das rich­ti­ge Zei­chen, das wir zur Ver­tei­di­gung unse­rer frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung auch im digi­ta­len Raum benö­ti­gen. Mit der bei der Staats­an­walt­schaft jüngst ein­ge­rich­te­ten Son­der­ab­tei­lung für Cybercrime haben wir die Grund­vor­aus­set­zun­gen dafür geschaf­fen, dass demo­kra­tie­feind­li­che Akti­vi­tä­ten im Netz kon­se­quent ver­folgt wer­den kön­nen. Die­sen Weg gilt es in Anbe­tracht der zu erwar­ten­den Fall­zah­len fort­zu­schrei­ten, damit das Inter­net als tat­säch­lich gewalt­frei­er Raum des Dis­kur­ses unse­re Demo­kra­tie berei­chert und nicht etwa gefährdet.“

Ruth Mey­er, LMS-Direktorin: „Wir freu­en uns, dass wir bereits zum Start über 50 Partner:innen aus den Berei­chen Medi­en, Kin­der und Jugend, Frau­en und Gen­der, Gewalt­prä­ven­ti­on, Kom­mu­nen, Poli­tik und Ehren­amt gewin­nen konn­ten. Unse­re Demo­kra­tie braucht den offe­nen Dis­kurs. Wenn Hass und Het­ze oder geziel­te Angrif­fe mit des­in­for­ma­ti­ven Inhal­ten dazu füh­ren, dass Kom­mu­ni­ka­ti­ons­räu­me ein­ge­schränkt wer­den ─ z.B. aus Angst, Opfer mas­si­ver Atta­cken zu wer­den ─ ist das nicht akzep­ta­bel. Mit dem Pro­jekt setzt das Saar­land ein kla­res Zei­chen gegen Gewalt und für Zivil­cou­ra­ge im Netz.“

Die Premiumpartner:innen erhal­ten in einer kos­ten­lo­sen Schu­lung detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über die Vor­ge­hens­wei­se und den Ver­fah­rens­ab­lauf zur Mel­dung eines Kom­men­tars im Online-Tool des Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­ums. Durch die Nut­zung eines Güte­sie­gels und dem damit ein­her­ge­hen­den hohen Wie­der­erken­nungs­wert wird für jede/n sicht­bar, dass die Projektteilnehmer:innen sich zur Initia­ti­ve und den dahin­ter ste­hen­den Grund­wer­ten beken­nen und offen­siv Hal­tung gegen Hass und Het­ze im Netz beziehen.

Zusätz­lich wird das Online-Anzeigenformular zur Mel­dung von Hate­speech allen Bürger:innen und Bür­gern über die Online­wa­che der Poli­zei des Saar­lan­des zur Ver­fü­gung gestellt. Das Pro­jekt ermög­licht hier­mit nicht nur Medi­en­häu­sern, son­dern allen gesell­schaft­li­chen Grup­pen im Saar­land eine Teil­ha­be am Pro­jekt, ganz im Sin­ne „Gemein­sam gegen Hass und Hetze“.

Fol­gen­de Insti­tu­tio­nen sind als Premiumpartner:innen Teil des Pro­jekts Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze“: Adolf-Bender-Zentrum; Aldo­na e. V. — Bera­tungs­stel­le für Migrantinnen/Beratungsstelle für Pro­sti­tu­ier­te; Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­fo­rum Saar e.V.; bigFM Saar­land; Bis­tum Spey­er — Bischöf­li­ches Ordi­nat; Deut­scher Gewerk­schafts­bund Rheinland-Pfalz / Saar­land; Evan­ge­li­sches Jugend­werk an der Saar; Evan­ge­li­sche Frau­en­hil­fen im Saar­land (Arge); Frau­en Uni­on Saar; Frau­en­Gen­der­Bi­blio­thek Saar; Frau­en­rat Saar­land; Gemein­de Beckin­gen; Gemein­de Bous; Gemein­de Ens­dorf; Gemein­de Eppe­l­born; Gemein­de Gers­heim; Gemein­de Illin­gen; Gemein­de Kir­kel; Gemein­de Klein­blit­ters­dorf; Gemein­de Noh­fel­den; Gemein­de Nonn­wei­ler; Gemein­de Rie­gels­berg; Gemein­de Tho­ley; Gemein­de Über­herrn; Gemein­de Wad­gas­sen; Kreis­stadt Mer­zig; Kreis­stadt Neun­kir­chen; Kreis­stadt Saar­lou­is; Kul­tur­zen­trum Vil­la Fuchs; Lan­des­in­sti­tut für Päd­ago­gik und Medi­en; Lan­des­ju­gend­ring Saar; Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung; Land­kreis Neun­kir­chen; Land­kreis St. Wen­del; Lesben- und Schwu­len­ver­band — Lan­des­ver­band Saar; Medi­en Saar­land GmbH; Mit­tel­stadt St. Ing­bert; Netz­werk für Demo­kra­tie und Cou­ra­ge; OPUS Kul­tur­ma­ga­zin; Pari­tä­ti­sches Bil­dungs­werk Rheinland-Pfalz/Saarland; The Radio Group GmbH; Radio Salü — Euro Radio Saar GmbH; Regio­nal­ver­band Saar­brü­cken; Saar­län­di­scher Jour­na­lis­ten­ver­band e.V.; Saar­län­di­scher Städte- und Gemein­de­tag; Saarpfalz-Kreis; Sor­op­ti­mist Inter­na­tio­nal Club Merzig-Saarlouis; SOS-Kinderdorf Saar; Stadt Lebach; Top Maga­zin Saar­land GmbH; VHS Regio­nal­ver­band Saar­brü­cken; Willi-Graf-Gymnasium.

Insti­tu­tio­nen, Ver­bän­de, Kom­mu­nen und Medi­en­häu­ser, die sich eben­falls enga­gie­ren wol­len, kön­nen ihr Inter­es­se bei der Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land (info@LMSaar.de oder 0681–38988-52) anmel­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt fin­den Sie unter: www.LMSaar.de/courage

 

Kon­takt für Presseanfragen:
Julia Kai­ser (Pres­se­spre­che­rin)
E‑Mail: kaiser@lmsaar.de
Tel. 0681 38988–11

25. Januar 2022