Raus aus der digitalen Anonymität – rein in die analoge Konsequenz

Aktionsbündnis „Courage im Netz – Gemeinsam gegen Hass und Hetze“ zieht positive Zwischenbilanz nach einem halben Jahr nach Projektstart

PM 15/2022

Saar­brü­cken, 21. Juli 2022: Anläss­lich des inter­na­tio­na­len Akti­ons­tags für die Betrof­fe­nen von Hass­kri­mi­na­li­tät bezieht das Akti­ons­bünd­nis gegen Hass und Het­ze im Saar­land – bestehend aus LMS, dem Minis­te­ri­um der Jus­tiz (ver­tre­ten durch das Son­der­de­zer­nat Cybercrime der Staats­an­walt­schaft Saar­brü­cken), dem Minis­te­ri­um für Inne­res, Bau­en und Sport, dem Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­um Saar­land (LPP) und dem Minis­te­ri­um für Arbeit, Sozia­les, Frau­en und Gesund­heit (Lan­des­ju­gend­amt) – Stel­lung gegen Hass­kri­mi­na­li­tät jeder Art. Die Pro­jekt­part­ne­rin­nen und ‑part­ner haben hier­zu im Janu­ar 2022 die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge im Netz – Gemein­sam gegen Hass und Het­ze“ gestar­tet und tra­gen im Saar­land so zum schnel­le­ren Voll­zug auf­sichts­recht­li­cher Tätig­kei­ten und einem effek­ti­ve­ren Jugend­me­di­en­schutz bei.

Um Rechts­durch­set­zung im Netz zu gewähr­leis­ten, ermög­licht die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge im Netz“ teil­neh­men­den Pre­mi­um­part­ne­rin­nen und ‑part­ner effi­zi­en­te Ver­fah­rens­ab­läu­fe bei der Mel­dung poten­zi­ell straf­recht­lich rele­van­ter Sach­ver­hal­te und stellt kla­re Ansprech­part­ne­rin­nen und Ansprech­part­ner zur Sei­te. In einer kos­ten­lo­sen Schu­lung erhal­ten sie detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über die Vor­ge­hens­wei­se zur Mel­dung eines Kom­men­tars in der Online-Wache des LPP. Eben­so wird für alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger eine bedie­nungs­freund­li­che Anzei­gen­er­stat­tung via Online-Wache eröff­net. Zugleich setzt das Pro­jekt auf einen prä­ven­ti­ven und akti­ven Ansatz: Wich­tigs­tes Anlie­gen der Initia­ti­ve ist der Schutz der Mei­nungs­frei­heit, deren Aus­übung erst in einem gewalt­frei­en Kli­ma unein­ge­schränkt mög­lich ist.

Nach einem hal­ben Jahr zie­hen die Pro­jekt­part­ne­rin­nen und ‑part­ner eine posi­ti­ve Zwi­schen­bi­lanz. Bereits jetzt betei­li­gen sich am Pro­jekt über 60 Medi­en­häu­ser, Kom­mu­nen, Kinder- und Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen, Ver­bän­de sowie Insti­tu­tio­nen der Bil­dung, Prä­ven­ti­on, Frau­en­rech­te und der Kir­che. In den ers­ten Mona­ten nach dem Start der Initia­ti­ve konn­ten mehr als 200 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Pre­mi­um­part­ne­rin­nen und ‑part­ner geschult werden.

Seit Auf­nah­me des Wirk­be­trie­bes sind monat­lich etwa 10 Mel­dun­gen zu Hass­nach­rich­ten und ‑postings über die Online­wa­che des Saar­lan­des ein­ge­gan­gen. Etwa die Hälf­te der Mit­tei­lun­gen behan­deln staats­schutz­re­le­van­te The­men und wer­den an die ent­spre­chen­de Staats­schutz­ab­tei­lung im LPP über­sandt. Bei den rest­li­chen Mel­dun­gen han­delt es sich vor­nehm­lich um Belei­di­gungs­sach­ver­hal­te oder Bedro­hun­gen ohne Staats­schutz­re­le­vanz, die nach einer ers­ten Auf­be­rei­tung durch die Online­wa­che, an die ört­lich zustän­di­gen Dienst­stel­len zur wei­te­ren Sach­be­ar­bei­tung über­sandt werden.

Die Initia­ti­ve „Cou­ra­ge im Netz“ setzt auf drei Säu­len: die repres­si­ve Säu­le wird durch die Mel­de­mög­lich­keit über die Online-Wache des Saar­lan­des bedient. Dane­ben setzt das Pro­jekt aber auch auf Prä­ven­ti­on, z.B. mit dem Güte­sie­gel, das alle Pre­mi­um­part­ne­rin­nen und –part­ner auf Ihren Inter­net­sei­ten und Social Media-Angeboten nut­zen und somit zei­gen kön­nen, dass nur ein zivi­li­sier­ter Dis­kurs will­kom­men ist, und Aktio­nen für ein respekt­vol­les Mit­ein­an­der. So stand ein The­men­spe­cial zum inter­na­tio­na­len Social Media-Tag am 30.06.2022 meh­re­rer pri­va­ter Hör­funk­ver­an­stal­te­rin­nen unter dem Mot­to „Cou­ra­ge im Netz – Was ist eigent­lich die­ses Social im Social Media?“. U.a. wur­den Inter­views mit Lena Meyer-Landrut (Sän­ge­rin) und Lola Weip­pert (RTL Mode­ra­to­rin) gesen­det und ein Erklär­vi­deo zum The­ma „Was kann ich tun, wenn ich in den sozia­len Kanä­len belei­digt oder ange­fein­det wer­de?“ steht zum Abruf bereit. Nach­zu­le­sen und zu hören ist das The­men­spe­cial u.a. unter:

Rein­hold Jost, Minis­ter für Inne­res, Bau­en und Sport, zeigt sich erfreut über die posi­ti­ve Reso­nanz auf die Initia­ti­ve: „Es ist ein gutes Zei­chen, dass sich bereits nach einem hal­ben Jahr so vie­le Insti­tu­tio­nen und Orga­ni­sa­tio­nen an dem Pro­jekt betei­li­gen. Je mehr Part­ne­rin­nen und Part­ner wir für das Pro­gramm gewin­nen, umso eng­ma­schi­ger wird das Netz, mit dem Hass- und Hetz­kom­men­ta­re im digi­ta­len Raum erfasst wer­den. Durch die­sen gemein­sa­men Ein­satz sor­gen wir dafür, dass sich Täte­rin­nen und Täter nicht län­ger hin­ter der Anony­mi­tät des Inter­nets und dem Irr­glau­ben, es sei ein rechts­frei­er Raum, ver­ste­cken können!“

Dr. Magnus Jung, Minis­ter für Arbeit, Sozia­les, Frau­en und Gesund­heit, betont die Not­wen­dig­keit die­ser Initia­ti­ve zur Umset­zung eines wir­kungs­vol­len Kinder- und Jugend­schut­zes:  „Hass und Het­ze im Netz gilt es sicher und wir­kungs­voll zu bekämp­fen, damit wir gera­de auch für unse­re Kin­der und Jugend­li­chen ein siche­res Auf­wach­sen mit Medi­en gewähr­leis­ten kön­nen. Mit die­ser gemein­sa­men Initia­ti­ve wird Tätern, die Wor­te und Bil­der als Waf­fe ein­set­zen, bewusst und gezielt Men­schen abwer­ten oder angrei­fen, Ein­halt gebo­ten. Wir sen­den damit ein kla­res Signal, dass wir die­se Taten nicht hin­neh­men und uns mit Nach­druck dage­gen zur Wehr setzen.“

Petra Berg, Minis­te­rin der Jus­tiz: „Die Bekämp­fung von Hass und Het­ze im Netz ist mir ein beson­de­res Anlie­gen, um das Ent­ste­hen rechts­frei­er Räu­me zu ver­hin­dern und Opfer stär­ker zu schüt­zen. Die neue Abtei­lung Cybercrime bei der Staats­an­walt­schaft Saar­brü­cken ist mit dem erfor­der­li­chen Per­so­nal und der nöti­gen Sach­kom­pe­tenz aus­ge­stat­tet, um die­je­ni­gen kon­se­quent zu ver­fol­gen, die das Netz für ihre kri­mi­nel­len Hand­lun­gen missbrauchen.“

Ruth Mey­er, Direk­to­rin der LMS, betont die frei­heit­li­chen und sozia­len Grund­wer­te unse­rer Gesell­schaft: „Hass und Het­ze bedro­hen die Basis unse­rer ent­wi­ckel­ten Demo­kra­tie. Hier gilt es, kla­re Kan­te zu zei­gen und Gren­zen zu zie­hen, die nicht über­schrit­ten wer­den dür­fen. Die Wer­te unse­rer Gesell­schaft gel­ten inner­halb des Inter­nets genau­so wie außer­halb. Als Akti­ons­bünd­nis ist es uns ein Anlie­gen, das öffent­li­che Bewusst­sein für Pro­ble­ma­ti­ken wie Hate­Speech, Des­in­for­ma­ti­on und die Ver­ro­hung des öffent­li­chen Dis­kur­ses zu wecken und eine Kul­tur der Aner­ken­nung und des Respekts in der digi­ta­len Welt zu schär­fen. Zugleich setzt das Pro­jekt auf mar­kie­ren­de und dees­ka­lie­ren­de Akti­vi­tä­ten im Netz sowie auf Schu­lun­gen zum dis­zi­pli­nier­ten Strei­ten. Wei­te­re Ange­bo­te ste­hen den Pre­mi­um­part­ne­rin­nen und ‑part­nern ab die­sem Herbst zur Verfügung.“

Insti­tu­tio­nen, Ver­bän­de, Kom­mu­nen und Medi­en­häu­ser, die sich eben­falls enga­gie­ren wol­len, kön­nen ihr Inter­es­se bei der Lan­des­me­di­en­an­stalt Saar­land (info@LMSaar.de oder 0681–3898852) anmel­den. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt fin­den Sie unter: www.LMSaar.de/courage

Kon­takt für Presseanfragen:
Julia Kai­ser
Pressesprecherin
E‑Mail: presse@LMSaar.de
Tel.: 0681 38988–11

21. Juli 2022