Medienkompetenz‐Projekte an Schulen
Das Interview mit den zur LMS abgeordneten Lehrkräften

Seit dem Schul­jahr 2009/2010 sind auf der Grund­la­ge einer Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen LMS und Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um zwei Lehr­kräf­te mit jeweils der Hälf­te ihrer Pflicht­stun­den­zahl zur Unter­stüt­zung der Medienkompetenz‐Förderung in Schu­len an die LMS abge­ord­net. Die bei­den Lehr­kräf­te aus Grund­schu­le bzw. wei­ter­füh­ren­der Schu­le unter­stüt­zen die LMS dabei, Medi­en­pro­jek­te in Schu­len zu orga­ni­sie­ren und durch­zu­füh­ren.

In den ers­ten fünf Jah­ren der Abord­nung der bei­den Lehr­kräf­te wur­den in 133 Schu­len ca. 400 Unter­richts­pro­jek­te in Grund‐ und wei­ter­füh­ren­den Schu­len zu ver­schie­de­nen The­men (Inter­net, Video, Hör­spiel, Radio) geplant, ver­mit­telt und durch­ge­führt. 132 Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen (8 Päd­ago­gi­sche Tage, 49 Semi­na­re für Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen, 75 Eltern­in­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen) wur­den auf Anfra­ge für Lehr­kräf­te und Eltern kon­zi­piert und orga­ni­siert.

Silke Weiten (Grundschullehrerin) und Stefanie Mathieu (Lehrerin an einer Gesamt‐ und Gemeinschaftsschule) beantworten im Folgenden Fragen rund um ihre Abordnung zur LMS

Die Abord­nung einer Lehr­kraft zu einer Lan­des­me­di­en­an­stalt ist bun­des­weit ein­ma­lig. Wie reagie­ren die Kolleg/inn/en?
S. Wei­ten: Sie wun­dern sich, dass es die­se Mög­lich­keit über­haupt gibt und fra­gen ganz oft, was ich eigent­lich hier in der LMS so zu tun habe. Ich erklä­re ihnen dann, dass ich haupt­säch­lich Schu­len die Mög­lich­kei­ten der Durch­füh­rung von Medi­en­pro­jek­ten auf­zei­ge – auch fächer­über­grei­fend bzw. mit pas­sen­dem Lehr­plan­be­zug –, sie dabei kon­kret bera­te und ihnen meist ein pas­sen­des Medi­en­pro­jekt mit einem ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ten Refe­ren­ten oder einer Refe­ren­tin ver­mitt­le. Häu­fig wird bei den Kolleg/inn/en dann das Inter­es­se geweckt, selbst ein­mal ein Medi­en­pro­jekt an ihrer Schu­le durch­zu­füh­ren.

Wie kam es zu der Abord­nung zur LMS?
S. Mathieu: Ich wur­de auf­grund mei­ner Refe­ren­ten­tä­tig­keit für die LMS im Bereich Trick­film von der Lei­te­rin des Medi­en­Kom­pe­tenz­Zen­trums für die Abord­nung ange­fragt.
Da ich das Fach Kom­mu­ni­ka­ti­on und Medi­en im Wahl­pflicht­be­reich I (ab Klas­se 7) unter­rich­te und mit dem Gebrauch und lei­der auch dem zuneh­men­den Miss­brauch neu­er Medi­en tag­täg­lich kon­fron­tiert wer­de, weiß ich, wie wich­tig es ist, Kin­dern den sinn­vol­len Umgang mit Medi­en — gera­de auch im krea­ti­ven Bereich — nahe zu brin­gen. Außer­dem arbei­te ich selbst sowohl schul­in­tern als auch –extern ger­ne mit neu­en Medi­en.
So ent­schied ich mich, auf­grund mei­ner eige­nen Medi­en­af­fi­ni­tät und in der Hoff­nung, Medi­en­ar­beit an Schu­len aktiv för­dern zu kön­nen, die Abord­nung anzu­tre­ten.

Wel­ches sind die Vor‐ und Nach­tei­le der Abord­nung zur LMS?
S. Wei­ten: Scha­de ist, dass durch die Abord­nung zur LMS kei­ne Klas­sen­lei­tung in der Grund­schu­le mehr mög­lich ist und dass ich wahr­schein­lich kei­ne Haupt­fä­cher mehr unter­rich­ten wer­de. Manch­mal habe ich den Ein­druck, dass ich Sachen nicht mit­be­kom­me, die an der Schu­le lau­fen. Dann muss ich selbst nach­fra­gen, um die Infor­ma­tio­nen zu bekom­men.
Dafür erhal­te ich ganz vie­le Ein­bli­cke in die Mög­lich­kei­ten der Medi­en­ar­beit in Grund­schu­len, ich kann an den LMS‐Tagen an Kur­sen z.B. im Medi­en­Kom­pe­tenz­Zen­trum teil­neh­men und ich ver­schaf­fe mir nach und nach einen Über­blick, wie die Situa­ti­on in Grund­schu­len in ande­ren Land­krei­sen aus­sieht (z.B. tech­ni­sche Aus­stat­tung, Inter­es­sen der Schu­len im Bereich Medi­en, Hand­ha­bung von Pro­jek­ten, Feed­back).

Wie ist der „Spa­gat“ zwi­schen Schu­le und LMS zu schaf­fen?
S. Wei­ten: Ich arbei­te einen gan­zen Tag in der LMS und an einem wei­te­ren Tag kom­me ich gegen 10.30 Uhr. Die­ser zwei­te Tag ist meist hek­tisch, weil ich in der Schu­le oft ein­fach abbre­chen muss, um zur LMS zu kom­men. Bes­ser wäre es, zwei gan­ze Tage für die Pro­jekt­ar­beit zur Ver­fü­gung zu haben. Mit dem Mon­tag und dem Don­ners­tag als LMS‐Tagen bin ich ganz zufrie­den. Es lie­gen immer ein paar Tage dazwi­schen, in denen sich die Schu­len und/oder Referent/inn/en mel­den und doch kann ich die ein­ge­gan­ge­nen Anfra­gen zeit­nah bear­bei­ten und Kon­takt auf­neh­men.

Wie hat sich die Tätig­keit im Lau­fe der Jah­re ver­än­dert?
S. Mathieu: Zu Beginn mei­ner Abord­nung muss­te ich die Schu­len teil­wei­se noch aktiv anspre­chen. Für das zwei­te Jahr mei­ner Abord­nung ent­wi­ckel­ten wir einen Abruf­kata­log mit Medi­en­pro­jek­ten für Schu­len. Die Pro­jek­te bezo­gen sich sowohl auf den krea­ti­ven Bereich (Video­fil­me, Foto­gra­fie, Hör­spie­le, Trick­film, etc.), als auch auf den siche­ren Umgang mit dem Inter­net und spä­ter mit den sozia­len Netz­wer­ken. Im Lauf der Jah­re wur­de die­ser Kata­log erwei­tert und umfasst mitt­ler­wei­le 29 Medi­en­pro­jek­te unter­schied­lichs­ter Art für ver­schie­de­ne Klas­sen­stu­fen.
Nach inzwi­schen sechs Jah­ren der Abord­nung ist das Ange­bot der LMS in den Schu­len wohl­be­kannt und in allen Berei­chen stark nach­ge­fragt.

Wel­che The­men ste­hen bei den Pro­jek­ten im Vor­der­grund?
S. Wei­ten: Am liebs­ten arbei­te ich auch in Pro­jek­ten digi­tal, d.h. vie­les wird im Inter­net recher­chiert, wo sich mitt­ler­wei­le vie­le Ide­en und Mate­ria­li­en im Bereich der Medi­en­er­zie­hung fin­den las­sen. Ich fin­de, es ist schon in der Grund­schu­le wich­tig, einen siche­ren Ein­stieg ins Inter­net zu ver­mit­teln, weil vie­le Schü­le­rin­nen und Schü­ler bereits mobil und im Netz unter­wegs sind, ohne dass ihnen das immer bewusst ist. Es gilt, die Kin­der kompetent(er) zu machen.

Gibt es Schwer­punkt­the­men oder „Lieb­lings­pro­jek­te“ aus dem Abruf­kata­log?
S. Mathieu: Ich selbst habe kei­ne Prä­fe­ren­zen, was die ver­mit­tel­ten Pro­jek­te angeht. Aller­dings freue ich mich über jede Anfra­ge mehr­tä­gi­ger krea­ti­ver Medi­en­pro­jek­te. Die­se Pro­jek­te bie­ten den Schüler/innen in beson­de­rem Maße die Mög­lich­keit, sich dar­zu­stel­len und eige­ne Gedan­ken und Ide­en zu rea­li­sie­ren. Der Ein­satz neu­er Medi­en wird geschult, die Medi­en­kom­pe­tenz geför­dert. Auch das Arbei­ten im Team und damit die För­de­rung von Sozi­al­kom­pe­ten­zen kom­men nicht zu kurz und kön­nen mei­ner Erfah­rung nach in sol­chen Pro­jek­ten viel bes­ser geför­dert wer­den, als in tra­di­tio­nel­len Unter­richts­struk­tu­ren. Außer­dem ent­spricht der Umgang mit den Medi­en dem Puls der Zeit, die meis­ten Schu­len haben da noch Nach­hol­be­darf.
Beson­ders gut fin­de ich, dass die LMS nicht nur Ange­bo­te auf Schü­ler­ebe­ne im Pro­gramm hat, son­dern sich in Koope­ra­ti­on mit Leh­rer­fort­bil­dungs­in­sti­tu­ten auch für die Medi­en­bil­dung päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te ein­setzt (ca. 150 Fort­bil­dun­gen in den letz­ten 6 Jah­ren).
Außer­dem för­dern wir Medi­en­pro­jek­te an Schu­len durch den jähr­li­chen Medi­en­wett­be­werb (Trick­box, Hör­spots, Medi­en­ma­ni­pu­la­ti­on etc.) der LMS, an dem sich sowohl Grund­schu­len als auch alle Arten wei­ter­füh­ren­der Schu­len betei­li­gen. 2011 beschränk­ten wir uns nicht auf einen bestimm­ten Bereich der Medi­en­bil­dung, son­dern schrie­ben einen Wett­be­werb aus, an dem sich Schu­len mit einem Medienkompetenz‐Konzept bewer­ben konn­ten und in dem die bes­ten Schul­kon­zep­te zur För­de­rung von Medi­en­kom­pe­tenz prä­miert wur­den.

Gibt es beson­de­re Pro­jek­te, die an Grund­schu­len ver­mit­telt wer­den?
S. Wei­ten: Ja, in mei­nem ers­ten Jahr in der LMS stand das Sie­gel Saar­län­di­sche Internet‐ABC Schu­le im Vor­der­grund. Ich bin im zwei­ten Jahr der Durch­füh­rung im Saar­land ein­ge­stie­gen und freue mich, dass wir es im Schul­jahr 2014/2015 geschafft haben, 19 Grund­schu­len das Sie­gel Internet‐ABC Schu­le zu ver­lei­hen. Da mit den Sie­gel­be­din­gun­gen ein mehr­tä­gi­ges Unter­richts­pro­jekt, ein Eltern­abend und eine Dienst­be­spre­chung orga­ni­siert wer­den müs­sen, steckt schon eine Men­ge Orga­ni­sa­ti­on und Koor­di­na­ti­on dahin­ter.

Gibt es beson­de­re Pro­jek­te, die an wei­ter­füh­ren­de Schu­len ver­mit­telt wer­den?
S. Mathieu: Zu Beginn mei­ner Abord­nung kon­zen­trier­ten sich die Nach­fra­gen auf den siche­ren Umgang mit dem Inter­net, weil es offen­sicht­lich vie­le Unsi­cher­hei­ten bei den Kolleg/inn/en gab. Um der Viel­schich­tig­keit der The­ma­tik gerecht zu wer­den, ent­wi­ckel­ten wir Work­shops wie Chat­ten und Mai­len, Web 2.0 – Sozia­le Netz­wer­ke, Siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­on im Inter­net (Face­book, Whats­App), die auch das Alter und den Ent­wick­lungs­stand der Schüler/innen berück­sich­ti­gen. Erfah­rungs­ge­mäß kön­nen Schüler/innen, die an sol­chen Work­shops teil­ge­nom­men haben, ihr erwor­be­nes Wis­sen als Multiplikator/inn/en an ihren Schu­len wei­ter­ge­ben.
Seit zwei Jah­ren steht uns ein Klas­sen­satz Tablets zur Ver­fü­gung, mit dem vor­wie­gend Krea­tiv­pro­jek­te wie z.B. Trick­film­pro­duk­tio­nen und digi­ta­le Foto­be­ar­bei­tung durch­ge­führt wer­den. Die Tablets ste­hen grund­sätz­lich allen Schul­for­men zur Ver­fü­gung. Ich fän­de es wün­schens­wert, dass ins­be­son­de­re wei­ter­füh­ren­de Schu­len auch das Poten­zi­al ihrer Schüler/innen erken­nen und zuneh­mend die mobi­len Gerä­te der Schüler/innen in die Unter­richts­ge­stal­tung ein­be­zie­hen. Manch eine/r wäre ver­wun­dert, was das eige­ne Smart­pho­ne an krea­ti­ven Mög­lich­kei­ten bie­tet.

Wie kom­men die Ange­bo­te der LMS bei den Schu­len an?
S. Wei­ten: Das Internet‐ABC wird sehr gut ange­nom­men, in die­sem Schul­jahr sind die Hälf­te der Schu­len aus dem letz­ten Jahr schon zum 2. Mai beim Sie­gel­erwerb dabei. Ich habe den Ein­druck, dass die Schu­len das Internet‐ABC so lang­sam in das schul­ei­ge­ne Kon­zept auf­neh­men.
Ansons­ten wer­den haupt­säch­lich Trickfilm‐ und Video­film­pro­jek­te ange­fragt, wobei hier die End­be­ar­bei­tung durch die Schü­le­rin­nen und Schü­ler schwie­rig ist, da nur eine bestimm­te Stun­den­zahl pro Pro­jekt vor­ge­se­hen ist. Dafür ist ein Pro­jekt pro Schu­le und Schul­jahr kos­ten­los, d.h. die LMS trägt alle Honorar‐ und Sach­kos­ten, das fin­den die Schu­len natür­lich klas­se.

Wie ist die Reso­nanz bei den Schu­len unter dem Aspekt Nach­hal­tig­keit?
S. Mathieu: Es gibt Schu­len, die immer wie­der Ange­bo­te bei der LMS abfra­gen, es gibt aber auch vie­le, die sich im Anschluss an eine Abruf­ver­an­stal­tung selbst auf den Weg machen und Medi­en­pro­jek­te in Eigen­re­gie durch­füh­ren. Auch weil sie gese­hen haben, dass Medi­en­ar­beit nicht immer auf­wän­dig, lang­wie­rig und kom­pli­ziert sein muss.
Wei­ter­füh­ren­de Schu­len sind oft­mals auch bereit, sich finan­zi­ell an der Durch­füh­rung der Pro­jek­te zu betei­li­gen und for­dern die­se immer öfter nicht nur für ein­zel­ne Klas­sen, son­dern für einen gan­zen Jahr­gang an.
Ein dazu­ge­hö­ri­ger Eltern­abend sen­si­bi­li­siert auch die Erzie­hen­den für die The­ma­tik.

Kann die Abord­nung von Lehr­kräf­ten an die LMS als Modell­pro­jekt für ande­re Bun­des­län­der die­nen?
S. Wei­ten: Das fän­de ich schon sinn­voll, weil Lehr­kräf­te, die bei uns anru­fen, ins­be­son­de­re die kom­pe­ten­te Bera­tung und den Aus­tausch mit einer Kol­le­gin schät­zen. Wir fun­gie­ren sozu­sa­gen als Bin­de­glied zwi­schen Ver­mitt­lung und mög­li­cher Medi­en­pra­xis. Ich zweif­le stark dar­an, ob die­se Ver­mitt­lung irgend­wann nicht mehr not­wen­dig ist. In den nächs­ten 10 Jah­ren eher nicht.
S. Mathieu: Der Erfolg gibt die­sem Pro­jekt Recht. Es wur­den über die Jah­re knapp 500 Unter­richts­pro­jek­te ver­mit­telt und erfolg­reich durch­ge­führt.
Es ist mit Sicher­heit wün­schens­wert, dass sol­che Ange­bo­te flä­chen­de­ckend umge­setzt wer­den.

 

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