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Journalist Marc Prams (Saarbrücker Zeitung) im Klassenzimmer vor einer Schulklasse

Journalismus macht Schule 2026

Im Rahmen des bundesweiten Projekts „Journalismus macht Schule“ hat die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) in Kooperation mit dem Saarländischen Journalistenverband (SJV) auch in diesem Jahr Schulbesuche von Journalistinnen und Journalisten im Saarland ermöglicht. Vor Ort gaben sie Einblicke in ihre Arbeit und diskutierten mit Schülerinnen und Schülern unter anderem über Recherche, Fake News, Quellenschutz und die Rolle von Journalismus in der Gesellschaft. Hier einige ihrer Eindrücke...

Katrin Aue: Ich hatte die Freude, mit einer 10. Klasse der Friedrich-List-Schule in Saarbrücken zu sprechen – mit angehenden Kaufleuten für Büromanagement. Nach einem Warm Up mit einem Fake-News-Quiz ging es unter anderem um praktische Fragen wie „Wir wird man Journalist:in?“, um journalistisches Handwerk und Ethik, „Bekommen Journalist:innen Themen vorgegeben?“ oder „Werden Inhalte bewusst zurückgehalten?“. Und schließlich haben wir auch über Meinungsfreiheit gesprochen: „Wo liegen die Grenzen der freien Meinungsäußerung?“. Ich habe aus dem journalistischen Alltag beim SR erzählt – von Reporter-Einsätzen bei Demos über redaktionelle Entscheidungsprozesse bis zu unserer Online- und Social-Netiquette.

Marc Prams (Foto: Stefanie Mintrup): Interessiert, neugierig und gut informiert zeigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der Fortuin-Gemeinschaftsschule in Illingen. Deren Lehrerin Stefanie Mintrup hatte sich für die Teilnahme am Projekt „Journalismus macht Schule“ beworben, und so besuchte Marc Prams, Reporter der Lokalredaktion Neunkirchen der Saarbrücker Zeitung, die Klasse. Zwei Schulstunden nutzten die Schülerinnen und Schüler, um Fragen rund ums Thema Journalismus zu stellen, die sich über eine Bandbreite von Bezahlung bis Quellenschutz erstreckten.
Prams selbst vermittelte anhand von ihm verfasster und bereits erschienener Artikel einen Einblick in den Alltag einer Lokalredaktion und schilderte, wie man sich einem Thema nähert, dazu recherchiert, Quellen verifiziert und schließlich einen Artikel verfasst, der dann im Print und online erscheint.
Besonders interessiert waren die Schülerinnen und Schüler daran, wann ein Thema für Journalisten von Interesse ist, wie sie ein Thema angehen, wie sie ihre Quellen schützen und ob sie selbst bei Recherchen in juristische Grauzonen geraten oder sich gar in Gefahr begeben. Bei so viel Interesse vergingen die 90 Minuten sowohl für die Klasse, als auch für den SZ-Reporter wie im Flug, sodass am Ende sogar einige Fragen leider unbeantwortet blieben.

Christina Merziger: Morgens um 8 in der Friedrich-List-Schule in Saarbrücken, besser bekannt als Kaufmännisches Berufsbildungszentrum, gegenüber vom Ludwigsplatz. Die Stimmung ist gut. Vor mir 26 angehende Immobilienkaufleute im 1. Ausbildungsjahr mit ihrem Lehrer Philipp Kessler in der letzten Reihe. Seine Fächer sind Ethik und Wirtschaft. Und seine Schützlinge wollen mal in der Hausverwaltung arbeiten oder ins Maklergeschäft einsteigen. Das Vermitteln ist also unsere gemeinsame Schnittmenge.
Die 18- bis 30-jährigen der Klasssenstufe 10 hatten nach eigenen Angaben einen Fragenkatalog zum Thema Meinungsfreiheit erstellt: Was muss ich beachten, bevor ich selbst meine Meinung kundtun darf? Warum genau ist Hassrede/ Volksverhetzung verboten? Welche Rolle spielt die Meinungsfreiheit in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?
Nach einem kurzen Einblick in meinen Alltag als Journalistin versuche ich, die Schüler und Schülerinnen miteinander ins Gespräch zu bringen. Gebe Hilfestellung bei der Klärung von Begriffen wie Meinung, Tatsache und Tatsachenbehauptung und immer wieder beim Faktencheck. Nur Einzelne wagen sich aus der Reserve und teilen ihre Gedanken. Beim Thema Rundfunkbeitrag allerdings nimmt die Diskussion Fahrt auf. Alle halten ihn für eine Zwangsabgabe. Ob mein Widerspruch und meine Argumente ankommen? Im besten Fall denken einige nochmal drüber nach. Der Schulgong ertönt. 90 Minuten sind vorbei, die Vermittlungsarbeit geht weiter…

Bob Boost: Im Rahmen von Journalismus Macht Schule besuchte ich das KBBZ Dillingen und sprach mit den Schülerinnen und Schülern über das Thema Journalismus in der Demokratie und Pressefreiheit. Zu Beginn wurde deutlich, dass nur noch wenige Jugendliche klassische Medien nutzen und sich stattdessen vor allem online informieren. Daran anknüpfend sprachen wir über die Rolle des Journalismus in einer Demokratie und darüber, warum freie und unabhängige Berichterstattung für die Gesellschaft so wichtig ist.
Beim Thema Pressefreiheit ging ich unter anderem auf die aktuelle Situation im Nahen Osten ein, aber auch auf die Frage, wie Pressefreiheit und die Herausforderungen für Journalistinnen und Journalisten Deutschland betreffen. Ein weiterer Schwerpunkt waren die journalistischen Darstellungsformen. Da die Schülerinnen und Schüler dieses Thema kurz zuvor bereits im Deutschunterricht behandelt hatten, konnten sie auf vorhandenes Wissen zurückgreifen.

Michelle Soulier: Ich habe am Merziger Gymnasium am Stefansberg eine Doppelstunde in einer 8. Klasse gehalten (5-6. Stunde). Ansprechpartnerin vor Ort war Kerstin Schellenbach.
Zu Beginn habe ich mit den Schüler:innen darüber gesprochen, wie man Journalistin wird und wie der typische Weg in den Beruf aussieht, etwa über ein Volontariat. Die Klasse zeigte sich dabei bereits sehr interessiert und stellte erste Fragen zu Ausbildung und Arbeitsalltag im Journalismus.
Im weiteren Verlauf ging es um das Thema Fake News. Anhand von vier konkreten Beispielen konnten die Schüler:innen aktiv mitarbeiten, Inhalte hinterfragen und eigene Argumente entwickeln. Ergänzend dazu habe ich eine Übung zur Unterscheidung von Meinung und Fakt eingebaut, die für viel Engagement und lebhafte Diskussionen sorgte.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Presse- und Meinungsfreiheit sowie auf Hass im Internet. Besonders diese Themen schienen die Schüler:innen stark zu interessieren. Sie diskutierten engagiert darüber, was man im Internet sagen darf und wo die Grenzen verlaufen.
Die Klasse war insgesamt sehr aufgeschlossen, gut vorbereitet und stellte zahlreiche Fragen – sowohl im Vorfeld als auch spontan aus der Situation heraus. Dadurch entstand ein lebendiger Austausch, der die Doppelstunde sehr dynamisch und erfolgreich machte.

Sebastian Zenner: Ich durfte am Technisch-gewerblichen und Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrum (kurz: TGS BBZ) Neunkirchen etwa 15 Berufsfachschülerinnen das Thema „Fake News“ näherbringen. Nach kleineren technischen Herausforderungen zu Beginn der Doppelstunde, fragte ich die jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren mit Hilfe des „Mentimeters“ Folgendes: Wo informiert ihr euch? Über was informiert ihr euch? Was macht Journalismus aus? Die Antworten gingen, wenig überraschend, in eine klare Richtung: Bei den Informationsquellen lagen „ChatGPT“ (sieben Mal genannt) und „TikTok“ (fünf Mal) weit vor anderen Antworten.
Bei den relevanten Themen ergab sich ein breit gefächertes Spektrum. Hier wurden insbesondere schulische Inhalte angegeben wie „Geschichte“, „GLN“ (für Großer Leistungsnachweis) und „Schulaufgaben“ (je zwei Nennungen). Die Antworten auf die Frage danach, was Journalismus für die Schülerinnen ausmache, war bis auf eine („kp“ = „kein Plan“) recht ermutigend: Gleich zwei Mal fiel der Begriff „Wahrheit“, auch „eigene Meinung ausdrücken“, „Standpunkt vertreten“ und „politische Ansichten“ wurden dem zugeordnet.
Auf dieser Grundlage erklärte ich, teilweise mit Hilfe von kurzen Erklär-Videos, wie sich die Medienlandschaft in Deutschland gestaltet (duales System, Pluralismus etc.) und wie Journalisten arbeiten (Nachrichtenfaktoren, Pressekodex). Dies diente als Herleitung zum Kernthema „Fake News“, das wir ebenfalls mit Hilfe kurzer Einspieler und im Rahmen einer offenen Gesprächsrunde in einer sehr angenehmen Atmosphäre gemeinsam bearbeiteten. Zum Abschluss schauten wir uns gemeinsam ein Erklärvideo über die Konzeption, Besonderheiten und Tücken/Gefahren von TikTok an.
Mein Fazit: Dank der Vorarbeit von Lehrerin Frau Mecheri im Unterricht waren die Schülerinnen gut auf das Thema „Fake News“ vorbereitet. Ich hatte den Eindruck, dass sie an den Schilderungen aus dem Blickwinkel eines Journalisten durchaus interessiert waren. Jedenfalls ergab sich meines Erachtens ein für beide Seiten wertvoller und konstruktiver Austausch.

Kai Klankert: Ich war für einen Vortrag am technisch-gewerblichen-sozialpflegerischen Berufsbildungszentrum in Neunkirchen in einer Klasse der Lehrerin Sina Mecheri mit acht jungen Erwachsenen von 17 bis 19 Jahren. In 90 Minuten haben wir in einem direkten Austausch über Fake News gesprochen, welche Auswirkungen sie haben können, wie KI die Meinungsbildung und auch die Arbeit der Journalisten verändert.
Den Einblick in meinen journalistischen Alltag bei der Saarbrücker Zeitung (Sportredaktion) habe ich verbunden mit einem praktischen Beispiel, der Berichterstattung über den schlagzeilenreichen Dopingfall der saarländischen Olympia-Kandidatin Sara Benfares. Die Schüler haben erfahren, wie eine Nachricht bei der Zeitung landet, welche Schritte ein Journalist unternimmt, um den Wahrheitsgehalt zu verifizieren, wie Recherche funktioniert, welche Wendungen durch Fake News entstehen können.
In einer lebhaften Runde haben wir über Presse- und Meinungsfreiheit diskutiert, auch anhand von Videomaterial. Etwa wie US-Präsident Donald Trump ungeliebte Medienvertreter öffentlich beleidigt oder wie die heute Show durch ein geschnittenes Interview Ärger bekommen hat. Ein Schüler aus Syrien hat Erfahrungen aus der Heimat eingebracht, wo Regierungskritiker, auch kritische Journalisten, im Assad-Regime hingerichtet wurden. Das sei vollkommen normal gewesen.
Insgesamt war der Besuch für beide Seiten lehrreich – für die Schüler, die einen Einblick in die Pressewelt erhalten haben, auch für mich, der noch einmal gelernt hat, wie junge Erwachsene heute an Informationen kommen, wie und welche Medien sie nutzen, vornehmlich TikTok, Instagram und KI-Portale wie ChatGTP.

Fotoinformation: Marc Prams (Saarbrücker Zeitung), Copyright: Stefanie Mintrup

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